Propstei Braunschweig

Propst Lars Dedekind Propstei Braunschweig Tel. 0531/471824 eMail: Lars.Dedekind@lk-bs.de

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Am 14. November 2019 wurde der Landesjugendpfarrer
Lars Dedekind von der Propsteisynode für zwölf Jahre als Propst gewählt

Lebenslauf Propst Dedekind

 

Monatsspruch September 2021 – Hag 1,6

Foto: pixabay

Ihr sät viel und bringt wenig ein; ihr esst und werdet doch nicht satt, ihr trinkt und bleibt doch durstig; ihr kleidet euch und keinem wird warm; und wer Geld verdient, der legt’s in einen löchrigen Beutel.   (Hag 1,6)
    
Ist das so? Sprechen diese 2.500 Jahre alten Worte des Propheten Haggai auch uns an? Sind wir überhaupt als Adressaten gemeint oder sind diese Worte alter Tobak, Schnee von gestern?

Zunächst einmal, so wird man konstatieren müssen, galten diese Worte nicht uns, sondern den aus dem Babylonischen Exil zurückgekehrten Juden. Sie hatten sich wieder angesiedelt in dem Land ihrer Väter und Mütter. Hatten die zerfallenen Häuser wieder aufgebaut, die brach liegenden Äcker wieder bestellt. Sie waren dabei sich in ihrem Land einzurichten und brachten sich mit ihren Fähigkeiten und ihrem Engagement ein, damit sie wirtschaftlich solide und sicher aufgestellt waren.
Was sie nicht taten, war, den Tempel Gottes ebenfalls wieder aufzubauen. Auf diese Verengung des Lebens auf das leibliche, das wirtschaftliche Wohl hin, postulieren die Worte Haggais, dass dieses alleine nicht reicht. Was damals fehlte war die verortete Präsenz Gottes in ihrer Mitte. Der Wiederaufbau des zerstörten Tempels (vgl. Hag 1,7-9).

Und bei uns?

In unserer Stadt gibt es Gottes Häuser, stehen Kirchen. Architektonisch gestalteter Raum für die Präsenz Gottes ist also gegeben. – Auch wirtschaftlich sind wir sicherlich noch besser versorgt als die Menschen damals.
Und doch, ist es nicht auch bei uns so, dass eine Leere bleibt?
Bei uns persönlich?!
Bei uns als Gesellschaft?!
Bei uns als Kirche?!

Die Worte Haggais bieten noch nicht die Antwort auf diese Fragen. Aber sie legen mutig den Finger in die Wunde. Sie laden ein zum Nachdenken über das, was wirklich zählt. Sie fragen nach dem Eigentlichen. Sie fragen nach der Mitte meines Lebens.

Um es mit Martin Luther zu sagen: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“ Und unser Herz hängt häufig an allzu Vergänglichem, allzu Überflüssigen, allzu Überbewerteten und eben nicht an der Quelle und Kraft des Lebens selbst.

Auch uns fordern also die Worte des Monatsspruchs dazu auf, uns aufzumachen und in allen Bereichen des Lebens nach der Präsenz des lebendigen Gottes zu suchen. Mich von Gott füllen, sättigen, trösten, wärmen und neu aufrichten zu lassen, um dann selber mitzutun und mit meiner ganzen Existenz mitzubeten, mitzuwirken und Gottes Reich wachsen zu lassen in mir und in dieser Welt.
Das wir Gottes Präsenz so neu für uns entdecken, dass wünsche ich mir für unsere Welt, für die Kirche und für eine und einen jeden von uns ganz persönlich!

Dein
Lars Dedekind, Propst

Monatsspruch August 2021 – 2. Kön 19,16

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Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, deine Augen und sieh her!    (2. Kön 19,16)
    
Wenn jemand geneigt ist, dann ist sie oder er in doppelter Weise zugewandt. Da ist zum einen eine körperliche Bewegung des sich Neigens und Hinwendens, zum anderen aber auch eine emotionale Komponente. Das geneigte Ohr ist nicht mehr nüchtern, neutral, richtend, sondern eben zugewandt. Es beinhaltet eine Beziehungsebene der Vertrautheit und Geborgenheit wie in einer Familie oder unter guten Freunden.

„Leih mir mal Dein Ohr!“, sagen wir auch, wenn wir die ganze, empathische Aufmerksamkeit unseres Gegenübers brauchen, also ein besonders gutes, intensives Zuhören benötigen.

Im biblischen Zusammenhang, aus dem das Wort des Monatsspruchs stammt, ist es der König Hiskia, der in großer Bedrängnis diese Worte spricht und betet. Das große assyrische Heer, die damalige Weltmacht, ist gegen sein kleines Königreich Juda gezogen und hat Hiskia mit seinem Volk in der Tempelstadt Jerusalem eingekesselt. Alle Staaten und Völker drum herum sind schon unterworfen worden. Eine aussichtslose Situation! Da ist niemand mehr, der helfen könnte. Niemand, außer Gott!

Der König Hiskia ergibt sich in dieser scheinbar aussichtslosen Situation nicht der feindlichen Übermacht, sondern er fleht zu Gott: „Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, deine Augen und sieh her!“

„Höre mein Schreien! Sieh meine Not, Gott!“, so dürfen auch wir Gott anrufen, wenn wir nicht mehr weiter wissen, wenn uns unsere Situation aussichtslos erscheint. - Und es mag sein, dass wir erfahren, dass auf wundersame Weise die Bedrohung sich verflüchtigt. Ganz so wie damals im Jahr 701 v. Chr. als das assyrische Heer tatsächlich plötzlich abzog. Es mag aber auch sein, dass das befürchtete Unheil trotzdem seinen Lauf nimmt, wie ca. vier Generationen später, als dann im Jahr 587 v. Chr. Jerusalem tatsächlich zerstört und die Bevölkerung in die babylonische Gefangenschaft geführt wird.

„Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, deine Augen und sieh her!“, ist also keine Beschwörungsformel, kein Freifahrtschein, der jegliche Situation so löst, wie wir uns das vielleicht gerade wünschen. Aber dieses Gebet ist so etwas wie eine Notrufnummer, sie ist die 110 zu Gott. Direkt - ohne Notrufleitzentrale, ohne langes Warten auf die Ankunft eines Einsatzfahrzeuges - stellen diese Worte die Verbindung zu Gott her.

Wir sind in unserer Sorge, in unserem Leid, in der Bedrohung nicht allein, sondern Gott ist mit uns. Er ist uns zugeneigt. Er ist an unserer Seite. Er hört uns. Er sieht uns. - Auch unseren Schmerz, auch unsere Angst. Er bleibt uns selbst dann zugewandt, wenn wir ihn mit Vorwürfen überschütten. Wenn wir ihm unsere Angst und unseren Schmerz voll Verzweiflung und Wut um die Ohren schlagen. Gott hält das aus, denn Gott liebt Dich! Er bleibt Dir zugeneigt, zugewandt. Seine Liebe für Dich ist grenzenlos!

Deshalb gibt es auch keine unpassenden oder peinlichen Situationen, sondern stets dürfen wir uns Seiner vergewissern und mit den Worten Hiskias beten:

„Neige, HERR, dein Ohr und höre! Öffne, deine Augen und sieh her!“


Dein
Lars Dedekind, Propst

 

 

Monatsspruch Juli 2021 – ApG 17,27

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Gedanken zum Monatsspruch Juli 2021 von Propst Lars Dedekind

Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.    (ApG 17 V.27)

Gott ist nicht ferne? Das ist gut, denn das heißt ja, Gott ist uns nah. Wir sind Ihm nicht egal. Er begleitet uns auf unserem Weg wie ein guter Hirte, der seine Schafe weidet. Gehen wir auf Abwegen, wird er uns schon finden und uns auf die rechten Wege zurückführen. Er ist uns Gegenüber. Er ist uns Richter, König, väterlicher Freund, mitfühlender Bruder und barmherziger Samariter. Gott kümmert sich um uns, denn Gott ist uns nah.

Dieses Bild ist uns vertraut und es ist gut und tröstlich. Gott ist das handelnde Subjekt. Gott ist mein Gegenüber. Er ist mir nah, aber bleibt doch von mir getrennt:
Er: Schöpfer. - Ich: Geschöpf.
Er: Heilsbringer. - Ich: Heilsempfänger.
Er, der sich kümmert. - Ich, der ich seiner Fürsorge bedarf.
Ich brauche Gott und Gott kommt und hilft; das ist das vertraute Bild.

Der aktuelle Monatsspruch aus Apostelgeschichte 17, Vers 27 nimmt den Aspekt des uns zugewandten Gottes (Deus Revelatus), des Immanuel (Gott mit uns) auf und steigert die Intensität der Nähe weiter bis das Trennende zwischen Schöpfer und Geschöpf, zwischen Gott und Mensch durchlässig wird: „In ihm leben, weben und sind wir.“

Nicht mehr ich, sondern ich in IHM!
Und nicht nur ich, sondern WIR in ihm.
Wir leben, weben und sind IN GOTT!

Das ist eine steile Aussage. Gott ist uns nicht nur Gegenüber, sondern indem er sich uns zuwendet, indem er Anteil nimmt an uns und unserem Leben, nehmen wir Anteil an ihm. Unser Leben, unsere Existenz, unser Gestalten, Schaffen, Handeln, Weben, unser Sein geschieht IN ihm. Es ist die Erkenntnis einer Zusammengehörigkeit aller Menschen, ja vielleicht sogar allen Seins, allen Lebens in Gott.

Nichts, das war, könnte sein ohne ihn. Er ist der Ursprung.
Nichts, das ist, besteht ohne ihn. Er ist das Leben.
Nichts, das wird, kann sein ohne ihn. Er ist das Ziel.

Am Anfang: Gott.
Am Ende: Gott.
Zwischendrin: Gott.

Er ist und wir in ihm. – Davon singt und dichtet auch Gerhard Terstegen in seinem Lied „Gott ist gegenwärtig“ (EG 165). Gottes Gegenwart umgibt und durchdringt uns. In sie dürfen wir ganz eintauchen, uns in sie versenken und einstimmen in den Lob Gottes als Luft, die alles füllet, als aller Dinge Grund und Leben, als Meer ohn Grund und Ende, als Wunder aller Wunder. Und indem wir Gott so loben, seine Gegenwart wahrnehmen in allem, was uns umgibt, nähern wir uns auch dem Geheimnis der Gegenwart Gottes in uns selbst:


„Luft, die alles füllet, drin wir immer schweben,
aller Dinge Grund und Leben,
Meer ohn Grund und Ende,
Wunder aller Wunder:
ich senk mich in dich hinunter.
Ich in dir, du in mir, lass mich ganz verschwinden,
dich nur sehn und finden.“


Gerade im Sommermonat Juli wünsche ich daheim oder auch unterwegs wache Augen, um Gottes Gegenwart in allem zu erkennen, sich zu erfreuen an den Wundern seiner Schöpfung, an dem Wunder des Lebens, an dem auch wir Anteil haben.
Möge Gott Dir in Deinem Leben so nah begegnen!

Mögen Dein Mund, Dein Verstand, Dein Herz die Worte des Monatsspruchs aus Apostelgeschichte 17, V.27 mitsprechen können:
Gott ist nicht ferne von einem jeden von uns. Denn in ihm leben, weben und sind wir.  

Dein
Lars Dedekind, Propst