Propstei Braunschweig

Propst Lars Dedekind Propstei Braunschweig Tel. 0531/471824 eMail: Lars.Dedekind@lk-bs.de

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Schützenstraße 23
38100 Braunschweig
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Am 14. November 2019 wurde der Landesjugendpfarrer
Lars Dedekind von der Propsteisynode für zwölf Jahre als Propst gewählt

Lebenslauf Propst Dedekind

 

Liebe Leserinnen und liebe Leser!

Quo vadis? Wohin gehst Du? Das kann man fragen mit Blick auf die in einem Newsletter angekündigten Veranstaltungen. Wo gehst Du hin? Woran nimmst Du teil?
Quo Vadis? Wohin gehst Du? Das ist aber auch eine Frage an unsere Gesellschaft, an Kirche und Politik und an jede und jeden einzelnen von uns. Die Bilder vom 29. August, die Reichsflaggen vor unserem Parlament, dem Reichstag, waren unerträglich!


Empörung allein reicht jedoch nicht! – Wir brauchen mutige Politikerinnen und Politiker. Wir brauchen eine mutige Zivilgesellschaft. Und auch wir als Christinnen und Christen, als Kirchen müssen uns hier eindeutig bekennen. Müssen Ressentiments und Diffamierungen entgegentreten, uns einsetzen für Freiheit und Demokratie, für Frieden und Gerechtigkeit und für die Würde aller Menschen.

Dass uns dieses wichtig ist, sollte nicht nur in unseren Worten erkennbar sein, sondern auch in unseren Taten und so laden wir in diesem Monat ein zu Veranstaltungen im Rahmen der Interkulturellen Wochen sowie im Rahmen der Fairen Woche.

Wir berichten über das neu entstehende Zentrum Würde am Marienstift. Wir laden ein, am Abend der offenen Kirchentüren unsere Innenstadtkirchen sowohl als Orte des Friedens und der Stille als auch als Orte gelebten Glaubens und fröhlicher Feier zu erleben.  Wir laden ein im Gespräch zu bleiben miteinander und mit Gott und sich immer wieder neu von seiner Vergebung und Liebe beschenken zu lassen. Gott geht mit. Gott ist bei uns. Das ist eine Erfahrung, die gerade dann gilt, wenn in unserem Leben etwas zerbrochen ist, wenn wir uns in einer Sackgasse befinden, nicht mehr weiter wissen. Wenn ich keine Antwort auf die Frage „Quo Vadis? -Wohin gehst Du?“ habe. Gerade dann gilt Gott ist bei uns! Er führet mich auf rechter Straße. Sein Stecken und Stab trösten mich. Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser. Mir wird nichts mangeln. (Vgl. Ps. 23)

Quo Vadis? Wohin gehst Du? Mögen Ihre Wege Gottes Wege sein.

Ihr Lars Dedekind, Propst 

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt!
Die niedersächsischen Schulferien nähern sich langsam dem Ende. Viele, die im Urlaub waren, kommen zurück. Nun heißt es, sich wieder in den Alltag einzufinden, liegengebliebene Fäden wieder aufzunehmen, das zweite Halbjahr dieses besonderen Jahres 2020 in den Blick zu nehmen und zu gestalten.

Aber Vorsicht! „Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“, heißt es im Volksmund. Und dass es ganz anders kommen kann, hat uns die zurückliegende erste Hälfte dieses Jahres deutlich gezeigt. Es gilt nach wie vor, einen guten Kurs zu finden, der die Gefahren der Corona-Pandemie ernst nimmt und uns trotzdem nicht lähmt. Der Normalität ermöglicht, selbst wenn die Zeiten besondere sind.

Im vorliegenden Newsletter spiegelt sich beides wieder. Es gibt Angebote wie „Kunst küsst Kirche“ oder „Die rote Kirchenbank“, aber es gibt auch Veranstaltungen, die nicht stattfinden können wie der „Motorrad-Gottesdienst“. Stellenbesetzungen eröffnen neue Perspektiven und zeigen, dass in allem Besonderen, das die Corona-Krise mit sich bringt, Kontinuität der kirchlichen Arbeit nicht nur nötig, sondern auch möglich ist. Und dann sind da ja auch die Kinder, die in dieser Zeit eingeschult werden oder in eine weiterführende Schule wechseln. Auch dieses ein Zeichen von Kontinuität und Perspektive und gleichzeitig eine Herausforderung, gute Möglichkeiten des Übergangs und der Aufnahme zu finden.

„Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt“, das haben wir in diesem Jahr immer wieder erfahren. Aber nicht nur im Negativen, sondern auch mit Blick auf unsere Kleingläubigkeit und Resignation. Manches, was unmöglich schien, ging dann doch. Vielleicht anders als gedacht. Aber es haben sich neue Wege aufgetan und ich bin zuversichtlich, dass sich diese auch in der Zukunft eröffnen werden. Ich bin der festen Überzeugung, dass in der Routine und in den Herausforderungen, im Alten und im Neuen Gott uns begleitet und uns das zukommen lassen wird, was wir brauchen.

In dem Sinne einen guten Start in die zweite Jahreshälfte!
Gottes Segen, Ihr Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

„Mach Dich locker!“ - In Stresssituationen kann man heute manchmal diesen Satz hören: „Mach Dich locker!“ - Es ist eine, zugegebener Maßen, etwas saloppe Deeskalationsformulierung. Oft aber wirksam. Wenn ich krampfhaft auf das eine hinauswill, den anderen aber in seiner Wirklichkeit gar nicht mehr wahrnehme, bedeutet „Mach Dich mal locker!“: Entkrampf Dich! Wechsele die Perspektive! Öffne Dich für neue Möglichkeiten!
Für den Monat Juni im Jahr der Corona-Pandemie scheint dieser Deeskalationssatz, „Mach Dich locker!“, ebenfalls zu passen. Mehrere Lockerungen von durch die Corona-Pandemie bedingten Einschränkungen sind angekündigt. Rechtzeitig zum Sommerbeginn und zu den Ferien sollen Reisen in europäische Nachbarländer wieder möglich sein.
Aber auch hier vor Ort lässt sich im Monat Juni bereits einiges Neues erleben. Dazu gehören samstags um Punkt halb fünf Orgelkonzerte in St. Andreas oder in St. Katharinen Musik unter dem Motto „live is life“.
Auch zum tätigen Mitmachen und Mithelfen gibt es mit dem neuen Spendenregal an der Brüdernkirche vor dem Café Kreuzgang oder mit der Aktion #sewforsolidarity Möglichkeiten einen Perspektivwechsel zu vollziehen und sich ganz entkrampft einzubringen.

In der Jugendzeitschrift der Benediktinerabtei Münsterschwarzach habe ich folgende Lockerungsgedanken gefunden:
„Sei locker …
denn du bist ein Kind Gottes.
 
Sei locker
denn Christus geht alle Wege mit dir.
Sei locker …
denn der Heilige Geist ist in dir lebendig.
Sei locker …
denn Christus hat auch für dich die Pforten des Todes überwunden.
Sei locker …
denn alle Erlösung ist schon in dir.
 Mach dich locker und lass dich auf das ein was die Ferien und der Urlaub für dich bereit hält und was Christus für jeden Menschen möchte:
... dass sie Leben haben und es in Fülle haben. (Joh. 10.10)“
 
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen für den Monat Juni die rechte Lockerheit, Neues zu entdecken, Neues wahrzunehmen in der Welt, an anderen und in Ihnen! Und ich wünsche, dass Sie in all diesem auch Gott neu entdecken mögen,
Ihr
Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

„Alles neu macht der Mai“, heißt es und einige Neuerungen sind mit diesem Monat ja nun auch gekommen. Gottesdienste dürfen, wenn auch unter Auflagen und Einschränkungen wieder gefeiert werden. Einige Gremien können bei Sicherstellung des gebührenden Abstandes wieder tagen. – Dennoch bleibt die Gesamtsituation eine Besondere und das spiegelt sich natürlich auch in diesem Newsletter wieder.

Aber immerhin: „Not macht erfinderisch“, heißt eine weitere Redewendung und diese gilt gerade in diesem Mai in ganz besonderer Weise; denn wer, wie Magni-Pfarrer Henning Böger, bereit ist, auch Außergewöhnliches möglich zu machen, kann selbst angesichts von Corona-Einschränkungen ein Bürgersingen veranstalten. Wenn auch zuhause vor dem Radio und mit der Zeitung als Liedblatt!

Vielleicht werden wir in den auf absehbare Zeit noch fortbestehenden Herausforderungen die Erfahrungen machen, die auch schon zu Jesu Zeiten immer wieder mit Staunen festgehalten wurde (vgl. Matthäus 19, 26): „Bei Gott sind alle Dinge möglich“, selbst die die uns erstmal unmöglich erscheinen.

Bleiben wir also kreativ, denken um die Ecke und außerhalb der Box und freuen uns, über das, was möglich ist. Und dann werden wir vielleicht erkennen, dass nicht nur der Mai alles neu macht, sondern Neues immer schon möglich war. Es braucht nur den Mut, das Neue auch zu wagen. So kann sogar aus dem, was hinderlich, beschwerlich und gefährlich ist, Gutes werden.
In diesem Sinne wünsche ich einen schönen und gesegneten Monat Mai,
Ihr
Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ausdauer, Hoffnung, Gebet
Marathonläufer kennen das: Ausdauer! - Ausdauer ist übrigens nicht einfach da, sondern baut sich langsam auf. Durch das kontinuierliche Training Tag für Tag. Wer also beim Laufen Ausdauer erreichen möchte, braucht zunächst eine Beständigkeit in seiner Disziplin, tatsächlich auch jeden Tag bei Wind und Wetter seine Runde zu laufen.
 
Ausdauer brauchen wir auch jetzt in dieser Zeit der Corona-Pandemie als Individuen und als Gesellschaft. Ausdauer, Beständigkeit, Disziplin. Vielleicht können Sie diese Worte schon gar nicht mehr hören?! Vielleicht geht es Ihnen wie mir und Sie sehnen sich nach normalen Umständen, nach gegenseitigen Besuchen, nach gemeinsamen Feiern mit Freunden und Familie, nach einem festlichen Essen im Restaurant, nach Theater und Konzerten, nach Gottesdiensten.  - Und doch bei aller Sehnsucht und dem Wissen, dass irgendwann ja auch in der Tat all dieses wieder möglich sein wird, gilt es jetzt sich weiterhin zu disziplinieren, Ausdauer zu bewahren auf diesem zähen Wegabschnitt.
 
Auch beim Marathonlauf bedarf es besonderer physischer und mentaler Anstrengungen. Beim Laufen ist es nicht immer hilfreich gleich auf das Ziel zu schauen. Ein langer Lauf wird erträglicher, wenn ich ihn in Etappen runterbreche, Zwischenziele ins Auge fasse. Solche Etappenziele wird es auch in der Bekämpfung der Corona-Pandemie geben. Erste vorsichtige Lockerungen der Einschränkungen haben bereits stattgefunden. Weitere Lockerungen stehen aus.
 
Wir haben keinen Schalter zum Umlegen, können uns nicht gleich zum Ziel „beamen“, sondern uns diesem nur schrittweise nähern. Wir können aber zuversichtlich sein, dass jeder getane Schritt, uns dem Ziel näherbringt. Wir können darauf hoffen, dass jede erreichte Etappe uns neue Ausdauer, Zuversicht und Kraft schenkt, für das, was noch vor uns liegt. Wir können für uns und andere beten, dass wir unsere Schritte auf diesem langen Weg richtig setzen und dass uns die Ausdauer geschenkt wird, um den Weg auch wirklich bis zum Ziel durchzuhalten.
 
Hierin bestärkt mich dieses Wort aus Römer 12:12, das ich auch Ihnen für diese besonders herausfordernde Zeit zusprechen möchte:
„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“
Ihr
Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Auferstehung ist ein Mutwort
Seit dem 16. März sind die Schulen bei uns in Niedersachsen geschlossen. Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat uns alle fest im Griff. Es dominiert unseren Alltag. Es verändert unsere Verhaltensweisen als Individuen und als Gesellschaft.
Viel Gutes nehme ich war. Menschen, die sich umeinander sorgen. Nachbarn, die einander anrufen, für einander einkaufen gehen. Menschen, die anderen Mut zusprechen! Die Postkarten oder große Transparente schreiben für Menschen die jetzt z.B. in Seniorenheimen in ihrer Bewegungsfreiheit und den Möglichkeiten sozialer Kontakte stark eingeschränkt sind. Menschen, die sichtbar Abend für Abend ein Zeichen setzen, ein Licht ins Fenster stellen, ein Lied singen, applaudieren… - Viel Gutes!
Leider aber auch einige wenige, die in der Krise nur nach ihrem eigenen Vorteil suchen, Klopapier hamstern, Atemmasken bunkern, Hilfsleistungen für sich in Anspruch nehmen, die eigentlich anderen zustünden usw. 
In all dieser Gemengelage bewegen wir uns in diesem Monat April von der Passionszeit auf die Osterzeit zu. Von der Fokussierung auf das Leid und die Vergänglichkeit hin zu einer unbegreiflichen Freude, die alles Schwere, Unfertige und Ungerechte durchbricht und uns neu aufrichtet auf eine Hoffnung, die zu groß ist, um sie zu begreifen: Auferstehung!
Auferstehung ist ein Mutwort, denn es spricht etwas aus, was unsere begrenzten menschlichen Erfahrungen von Leben und Tod transzendiert. Unser Verstand, der auf Erfahrungswissen basiert, mag rebellieren. Die Welt mag uns als töricht erachten. - Und doch dies ist die DNA unseres Glaubens: Der Tod ist überwunden! Das Leben hat den Sieg davon getragen!
„Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“ (2 Korinther 4, 17)
Möge die frohe Osterbotschaft der Auferstehung Ihnen ein Mutwort sein in diesen Tagen und Wochen,
Ihr
Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Sonntag Lätare – 22. März 2020 - Trost als Antwort auf die Angst

Als ich noch ein kleines Kind war, lebte unter meinem Bett ein Rudel Schattenwölfe. Gefährliche und finstere Gestalten, die immer dann hervorkamen, wenn meine Eltern das Licht ausgeknipst und die Tür zugezogen hatten. Ich erinnere mich, wie ich mir ängstlich die Bettdecke über Kopf zog, mich in meine Daunenhöhle kuschelte, damit mich die Schattenwölfe nicht finden konnten. Manchmal, wenn die irrationale, kindliche Angst zu groß wurde, bin ich wagemutig aus meinem Bett gesprungen und zu meiner Mutter gelaufen, um mich in ihrem Schoss zu bergen. Dort war ich sicher.
Gestern habe ich mich mit Menschen über ihre Ängste unterhalten. Keine Schattenwölfe, aber eine für uns im Alltag ebenfalls nicht sichtbare und doch sehr reale Bedrohung: das SARS-CoV-2, der Corona-Virus. - Einige meiner Gesprächspartner hatte ihre Angst dazu getrieben, sich in Chatforen und auf Internetseiten, wie sie meinten, tiefer mit den wahren Hintergründen der Corona-Pandemie auseinanderzusetzen. Das Resultat: sie hatten sich nun durch hanebüchenen Verschwörungstheorien auch noch mit dem Virus der Angst infiziert.
Wohin also, wenn die Angst übergroß wird? Wohin, wenn meine zwischenmenschlichen Kontakte heruntergefahren sind, ich alleine bin, allein zu Haus, allein mit meinem PC, allein mit all den irritierenden Botschaften aus den Weiten des Internets? Wo finde ich da Orientierung? Wer nimmt mir die Angst? Wer tröstet mich?
Im heutigen Predigttext heißt es: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66, 13)
Gott adressiert diese Trostworte an die Israeliten, die nach Krieg und langer Gefangenschaft in ihre zerstörte Heimat zurückkehren.
Trost und Zuwendung, wie sie eine Mutter gibt, können auch wir erfahren. Zum Beispiel wenn jeden Mittag um 12:00 Uhr die Glocken in unserer Stadt zum stillen Gebet läuten. Oder wenn Menschen einander kenntlich machen, dass sie gerade jetzt an die anderen denken, seien es Telefonanrufe, Videobotschaften oder auch das Applaudieren für die in der medizinischen Versorgung Tätigen jeden Abend um 21:00 Uhr vom geöffneten Fenster oder Balkon.
Trösten ist eine gute Antwort gegen die Angst. Denn Trösten ignoriert nicht die Angst, sondern lässt sie zu und kanalisiert sie neu. Trost erfahre ich, weil ich mich aufgehoben weiß beim Anderen - der mit mir fühlt, der an mich denkt - und weil ich mich aufgehoben weiß bei Gott.
Wer so getröstet ist, der überwindet die Angst. Wer so getröstet ist, weiß sich geborgen im Tod und im Leben, so wie es der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 in seinem geistlichen Gedicht vier Monate vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945 zum Ausdruck gebracht hat:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ihr Lars Dedekind, Propst

Liebe interessierte Leserinnen und Leser,

während ich diese Zeilen schreibe, um mich als neuen Propst der Ev.-luth. Propstei Braunschweig vorzustellen, frage ich mich nicht so sehr, was ich denn jetzt alles über mich schreiben könnte. Was mich vielmehr interessiert sind Sie!
Wie geht es Ihnen? Was trägt Sie durch Ihren Alltag? Was erfreut Sie? Was bedrückt Sie? Wo begegnet Ihnen Kirche in Ihrem Leben? Was erwarten, was erhoffen Sie sich von Kirche in dieser Stadt? Wo sind Sie von uns als Kirche enttäuscht worden? Wo in ihrem Leben war Ihnen der Kontakt, die Beziehung mit haupt- oder ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern von Kirche wichtig? Was ist für Sie überhaupt die Kirche? Eher ein Ort, den Sie manchmal aufsuchen, vielleicht für ein stilles Gebet, vielleicht um einen Gottesdienst zu besuchen, - oder ist Kirche für Sie eher die Gemeinschaft, das Verbindende mit anderen Menschen, das gemeinsame Unterwegs-sein, das Füreinander-Einstehen? Wie muss Kirche sein, damit es Ihre Kirche ist? Damit Sie dort das finden, was Sie für Ihr Leben brauchen? Damit Sie den Zuspruch aus Gottes Wort hören können, zu dessen Weitergabe alle Christinnen und Christen berufen sind!
Ich weiß, das sind viele Fragen, die ich habe. Und es sind Fragen, die ich mir auch immer wieder selbst stelle. Viele meiner Antworten auf diese Fragen sind nicht konstant geblieben, sondern haben sich im Laufe meines Lebens immer wieder verändert, manche aber sind die Gleichen geblieben und haben sich im Laufe der Jahre und durch viele kleine und große Erlebnisse und Erfahrungen sogar noch verstärkt. Ein biblisches Wort, das mich in meinem Leben immer wieder begleitet hat und das mich durchträgt, ist die Gewissheit, dass mich nichts scheiden kann von der Liebe Gottes (vgl. Röm 8, 31-39). Egal wie verworren eine Situation ist, egal wie sehr ich mit mir oder anderen hadere, ja sogar, wenn ich richtig was verbockt, anderen weh getan, Schuld auf mich geladen habe oder einfach nur blind durchs Leben laufe und die Kollateralschäden, die ich verursache nicht mal wahrnehme, - Gott liebt mich trotzdem! Gott wird nicht immer lieben, was ich sage, was ich tue oder unterlasse, aber Gott liebt mich als der, der ich für ihn bin. Ich bin und bleibe Gottes geliebtes Kind! Daraus schöpfe ich meine Kraft, meine Zuversicht, meine Hoffnung für meinen Lebensalltag und auch für die Aufgaben meines neuen Amts als Propst.
Apropos „Propst“. Das ist ja auch so ein kirchliches Wort, das heute niemand mehr versteht. Was also heißt das eigentlich? - Propst kommt vom lateinischen „propostus“ und bedeutet übersetzt: „Vorsteher“. Heute kennen wir eher den Begriff des Vorsitzes für jemanden, der für eine Organisation, einen Verein eine besondere Verantwortung übernimmt, zu Mitgliederversammlungen einlädt, die Tagesordnung erstellt, die Sitzungen moderiert und die laufenden Geschäfte verantwortet. So ähnlich ist es also auch mit dem Vorsteher, nur dass dieser eben nicht sitzt, sondern steht und vielleicht sich sogar bewegt. In meiner Wahrnehmung leben wir in bewegten Zeiten. Da ist es gut, dass schon die Titulierung der Aufgabe mich dazu auffordert, einen Standpunkt einzunehmen, Orientierung zu bieten und doch nicht starr an einem Ort zu sitzen, sondern beweglich zu bleiben. Ich möchte mich als Propst zusammen mit Ihnen aufmachen, um Kirche in unserer Stadt zu gestalten und zu leben.
Das passt auch zu meiner Biografie, denn aufgebrochen bin ich immer wieder. Ich habe in unterschiedlichen Ländern und Kulturen gelebt. Ich habe gelernt, wie andere Menschen leben und mich durch ihr Anderssein bereichern lassen. Und ich habe gelernt, wie sehr wir Menschen uns alle doch auch ähnlich sind, wie sehr wir einander brauchen und auch Gottes Liebe. Erst im Gegenüber finden wir uns selbst. Auch das so eine Kernerfahrung meines Lebens, die ich besonders tief und voll Dankbarkeit täglich neu durch meine Frau und meine drei Kinder erleben darf.
Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen. Ich freue mich auf neue Begegnungen und neue Impulse, auf Gestalten, Bewahren und Neues wagen, - und ich freue mich darauf, in all diesem mit Ihnen gemeinsam auf dem Weg zu sein.
Möge Gottes Segen uns begleiten in 2020 und in jedem Jahr!
Ihr
Lars Dedekind
Propst