Propstei Braunschweig

Propst Lars Dedekind Propstei Braunschweig Tel. 0531/471824 eMail: Lars.Dedekind@lk-bs.de

Propstei Braunschweig
Schützenstraße 23
38100 Braunschweig
Tel. 0531/471824
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Am 14. November 2019 wurde der Landesjugendpfarrer
Lars Dedekind von der Propsteisynode für zwölf Jahre als Propst gewählt

Lebenslauf Propst Dedekind

 

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Auferstehung ist ein Mutwort
Seit dem 16. März sind die Schulen bei uns in Niedersachsen geschlossen. Das Coronavirus SARS-CoV-2 hat uns alle fest im Griff. Es dominiert unseren Alltag. Es verändert unsere Verhaltensweisen als Individuen und als Gesellschaft.
Viel Gutes nehme ich war. Menschen, die sich umeinander sorgen. Nachbarn, die einander anrufen, für einander einkaufen gehen. Menschen, die anderen Mut zusprechen! Die Postkarten oder große Transparente schreiben für Menschen die jetzt z.B. in Seniorenheimen in ihrer Bewegungsfreiheit und den Möglichkeiten sozialer Kontakte stark eingeschränkt sind. Menschen, die sichtbar Abend für Abend ein Zeichen setzen, ein Licht ins Fenster stellen, ein Lied singen, applaudieren… - Viel Gutes!
Leider aber auch einige wenige, die in der Krise nur nach ihrem eigenen Vorteil suchen, Klopapier hamstern, Atemmasken bunkern, Hilfsleistungen für sich in Anspruch nehmen, die eigentlich anderen zustünden usw. 
In all dieser Gemengelage bewegen wir uns in diesem Monat April von der Passionszeit auf die Osterzeit zu. Von der Fokussierung auf das Leid und die Vergänglichkeit hin zu einer unbegreiflichen Freude, die alles Schwere, Unfertige und Ungerechte durchbricht und uns neu aufrichtet auf eine Hoffnung, die zu groß ist, um sie zu begreifen: Auferstehung!
Auferstehung ist ein Mutwort, denn es spricht etwas aus, was unsere begrenzten menschlichen Erfahrungen von Leben und Tod transzendiert. Unser Verstand, der auf Erfahrungswissen basiert, mag rebellieren. Die Welt mag uns als töricht erachten. - Und doch dies ist die DNA unseres Glaubens: Der Tod ist überwunden! Das Leben hat den Sieg davon getragen!
„Denn unsre Bedrängnis, die zeitlich und leicht ist, schafft eine ewige und über alle Maßen gewichtige Herrlichkeit.“ (2 Korinther 4, 17)
Möge die frohe Osterbotschaft der Auferstehung Ihnen ein Mutwort sein in diesen Tagen und Wochen,
Ihr
Lars Dedekind, Propst

Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Sonntag Lätare – 22. März 2020 - Trost als Antwort auf die Angst

Als ich noch ein kleines Kind war, lebte unter meinem Bett ein Rudel Schattenwölfe. Gefährliche und finstere Gestalten, die immer dann hervorkamen, wenn meine Eltern das Licht ausgeknipst und die Tür zugezogen hatten. Ich erinnere mich, wie ich mir ängstlich die Bettdecke über Kopf zog, mich in meine Daunenhöhle kuschelte, damit mich die Schattenwölfe nicht finden konnten. Manchmal, wenn die irrationale, kindliche Angst zu groß wurde, bin ich wagemutig aus meinem Bett gesprungen und zu meiner Mutter gelaufen, um mich in ihrem Schoss zu bergen. Dort war ich sicher.
Gestern habe ich mich mit Menschen über ihre Ängste unterhalten. Keine Schattenwölfe, aber eine für uns im Alltag ebenfalls nicht sichtbare und doch sehr reale Bedrohung: das SARS-CoV-2, der Corona-Virus. - Einige meiner Gesprächspartner hatte ihre Angst dazu getrieben, sich in Chatforen und auf Internetseiten, wie sie meinten, tiefer mit den wahren Hintergründen der Corona-Pandemie auseinanderzusetzen. Das Resultat: sie hatten sich nun durch hanebüchenen Verschwörungstheorien auch noch mit dem Virus der Angst infiziert.
Wohin also, wenn die Angst übergroß wird? Wohin, wenn meine zwischenmenschlichen Kontakte heruntergefahren sind, ich alleine bin, allein zu Haus, allein mit meinem PC, allein mit all den irritierenden Botschaften aus den Weiten des Internets? Wo finde ich da Orientierung? Wer nimmt mir die Angst? Wer tröstet mich?
Im heutigen Predigttext heißt es: „Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ (Jes 66, 13)
Gott adressiert diese Trostworte an die Israeliten, die nach Krieg und langer Gefangenschaft in ihre zerstörte Heimat zurückkehren.
Trost und Zuwendung, wie sie eine Mutter gibt, können auch wir erfahren. Zum Beispiel wenn jeden Mittag um 12:00 Uhr die Glocken in unserer Stadt zum stillen Gebet läuten. Oder wenn Menschen einander kenntlich machen, dass sie gerade jetzt an die anderen denken, seien es Telefonanrufe, Videobotschaften oder auch das Applaudieren für die in der medizinischen Versorgung Tätigen jeden Abend um 21:00 Uhr vom geöffneten Fenster oder Balkon.
Trösten ist eine gute Antwort gegen die Angst. Denn Trösten ignoriert nicht die Angst, sondern lässt sie zu und kanalisiert sie neu. Trost erfahre ich, weil ich mich aufgehoben weiß beim Anderen - der mit mir fühlt, der an mich denkt - und weil ich mich aufgehoben weiß bei Gott.
Wer so getröstet ist, der überwindet die Angst. Wer so getröstet ist, weiß sich geborgen im Tod und im Leben, so wie es der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer im Dezember 1944 in seinem geistlichen Gedicht vier Monate vor seiner Hinrichtung am 9. April 1945 zum Ausdruck gebracht hat:
„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag.
Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Ihr Lars Dedekind, Propst

Liebe interessierte Leserinnen und Leser,

während ich diese Zeilen schreibe, um mich als neuen Propst der Ev.-luth. Propstei Braunschweig vorzustellen, frage ich mich nicht so sehr, was ich denn jetzt alles über mich schreiben könnte. Was mich vielmehr interessiert sind Sie!
Wie geht es Ihnen? Was trägt Sie durch Ihren Alltag? Was erfreut Sie? Was bedrückt Sie? Wo begegnet Ihnen Kirche in Ihrem Leben? Was erwarten, was erhoffen Sie sich von Kirche in dieser Stadt? Wo sind Sie von uns als Kirche enttäuscht worden? Wo in ihrem Leben war Ihnen der Kontakt, die Beziehung mit haupt- oder ehrenamtlichen Vertreterinnen und Vertretern von Kirche wichtig? Was ist für Sie überhaupt die Kirche? Eher ein Ort, den Sie manchmal aufsuchen, vielleicht für ein stilles Gebet, vielleicht um einen Gottesdienst zu besuchen, - oder ist Kirche für Sie eher die Gemeinschaft, das Verbindende mit anderen Menschen, das gemeinsame Unterwegs-sein, das Füreinander-Einstehen? Wie muss Kirche sein, damit es Ihre Kirche ist? Damit Sie dort das finden, was Sie für Ihr Leben brauchen? Damit Sie den Zuspruch aus Gottes Wort hören können, zu dessen Weitergabe alle Christinnen und Christen berufen sind!
Ich weiß, das sind viele Fragen, die ich habe. Und es sind Fragen, die ich mir auch immer wieder selbst stelle. Viele meiner Antworten auf diese Fragen sind nicht konstant geblieben, sondern haben sich im Laufe meines Lebens immer wieder verändert, manche aber sind die Gleichen geblieben und haben sich im Laufe der Jahre und durch viele kleine und große Erlebnisse und Erfahrungen sogar noch verstärkt. Ein biblisches Wort, das mich in meinem Leben immer wieder begleitet hat und das mich durchträgt, ist die Gewissheit, dass mich nichts scheiden kann von der Liebe Gottes (vgl. Röm 8, 31-39). Egal wie verworren eine Situation ist, egal wie sehr ich mit mir oder anderen hadere, ja sogar, wenn ich richtig was verbockt, anderen weh getan, Schuld auf mich geladen habe oder einfach nur blind durchs Leben laufe und die Kollateralschäden, die ich verursache nicht mal wahrnehme, - Gott liebt mich trotzdem! Gott wird nicht immer lieben, was ich sage, was ich tue oder unterlasse, aber Gott liebt mich als der, der ich für ihn bin. Ich bin und bleibe Gottes geliebtes Kind! Daraus schöpfe ich meine Kraft, meine Zuversicht, meine Hoffnung für meinen Lebensalltag und auch für die Aufgaben meines neuen Amts als Propst.
Apropos „Propst“. Das ist ja auch so ein kirchliches Wort, das heute niemand mehr versteht. Was also heißt das eigentlich? - Propst kommt vom lateinischen „propostus“ und bedeutet übersetzt: „Vorsteher“. Heute kennen wir eher den Begriff des Vorsitzes für jemanden, der für eine Organisation, einen Verein eine besondere Verantwortung übernimmt, zu Mitgliederversammlungen einlädt, die Tagesordnung erstellt, die Sitzungen moderiert und die laufenden Geschäfte verantwortet. So ähnlich ist es also auch mit dem Vorsteher, nur dass dieser eben nicht sitzt, sondern steht und vielleicht sich sogar bewegt. In meiner Wahrnehmung leben wir in bewegten Zeiten. Da ist es gut, dass schon die Titulierung der Aufgabe mich dazu auffordert, einen Standpunkt einzunehmen, Orientierung zu bieten und doch nicht starr an einem Ort zu sitzen, sondern beweglich zu bleiben. Ich möchte mich als Propst zusammen mit Ihnen aufmachen, um Kirche in unserer Stadt zu gestalten und zu leben.
Das passt auch zu meiner Biografie, denn aufgebrochen bin ich immer wieder. Ich habe in unterschiedlichen Ländern und Kulturen gelebt. Ich habe gelernt, wie andere Menschen leben und mich durch ihr Anderssein bereichern lassen. Und ich habe gelernt, wie sehr wir Menschen uns alle doch auch ähnlich sind, wie sehr wir einander brauchen und auch Gottes Liebe. Erst im Gegenüber finden wir uns selbst. Auch das so eine Kernerfahrung meines Lebens, die ich besonders tief und voll Dankbarkeit täglich neu durch meine Frau und meine drei Kinder erleben darf.
Ich freue mich auf die neuen Aufgaben und Herausforderungen. Ich freue mich auf neue Begegnungen und neue Impulse, auf Gestalten, Bewahren und Neues wagen, - und ich freue mich darauf, in all diesem mit Ihnen gemeinsam auf dem Weg zu sein.
Möge Gottes Segen uns begleiten in 2020 und in jedem Jahr!
Ihr
Lars Dedekind
Propst