Propstei Braunschweig

Propst Lars Dedekind Propstei Braunschweig Tel. 0531/471824 eMail: Lars.Dedekind@lk-bs.de

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Am 14. November 2019 wurde der Landesjugendpfarrer
Lars Dedekind von der Propsteisynode für zwölf Jahre als Propst gewählt

Lebenslauf Propst Dedekind

 

Monatsspruch März 2021 - Lukas 19,40

Gedanken zum Monatsspruch März 2021 von Propst Lars Dedekind

Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien. (Lk 19,40)

Schreiende Steine? So etwas kenn ich nur, wenn auf alpinen Bergtouren der Schotter kleiner Felsabsplitterungen im Profil meiner Bergschuhe auf massivem Steingrund trifft und knirschende, die Ohren durchdringende Geräusche verursacht. Ansonsten sind Steine ja eher stumm! In der Tat es lässt sich kaum etwas Lebloseres vorstellen als ein Stein. Und nun sollen ausgerechnet die Steine lebendig aufschreien? Was für ein Bild?!

Das Bild gehört in die Palmsonntagserzählung vom Einzug Jesu in Jerusalem. Das Lukasevangelium berichtet dies wie folgt: „Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten, die sie gesehen hatten, und sprachen: Gelobt sei, der da kommt, der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei im Himmel und Ehre in der Höhe!“

Dieses Loben mit lauten Stimmen, diese Exklamation Jesu als König, der im Namen des Herrn kommt, rief die religiösen Autoritäten auf den Plan. Sie wollten, dass Jesus seine Jünger zurecht weist. Jesus aber antwortete: „Ich sage euch: Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Die Wahrheit über Jesus will hinaus. Sie will weitergesagt, verkündet werden. Seit jenem Einzug nach Jerusalem ist die frohe Botschaft, ist das Evangelium nicht verstummt. Selbst wenn Menschen mundtot gemacht werden, wenn die Anhänger dieser frohen Botschaft verfolgt werden, die Botschaft selbst bahnt sich ihren Weg: „Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine schreien.“

Was für ein starkes Bild, gerade für Christinnen und Christen, die für ihren Glauben angefeindet, eingesperrt, bedroht und getötet werden. – Wir in Deutschland leben in einem freien Land. Die Ausübung der Religionsfreiheit ist vom Grundgesetz verbrieftes Recht. Wir müssen nicht darauf warten, bis die Steine schreien. Nein, wir sind privilegiert, dass wir ohne Gefahr an Leib und Leben es den Jüngern von damals gleich tun können: Voll Freude Gott loben! Mit lauter, hörbarer Stimme von Seinen Taten erzählen!

Vielleicht nutzen wir die sieben Wochen der Passionszeit in diesem Jahr auch hierfür und beginnen unsere eignen Spielräume zu nutzen und unsere Blockaden zu überwinden.

Spielräume für das Evangelium!
Spielräume für unsere Erzählungen über Gottes Taten!
Ganz ohne Blockaden:
Ohne die bange Frage, was werden die anderen dazu sagen?
Oder die Angst, dass meine Worte doch gar nicht ausreichen!

Verbinden wir Monatsspruch und Fastenmotto und wagen es, Gott zu loben, die gute Nachricht des Evangeliums weiterzusagen, die biblischen und auch unsere persönlichen Glaubensgeschichten zu erzählen.

Spielräume! Sieben Wochen ohne Blockaden... denn: Wenn diese schweigen, werden die Steine schreien!

Monatsspruch Februar 2021 – Lukas 10,20

Gedanken zum Monatsspruch Februar 2021 von Propst Lars Dedekind

Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind! (Lk 10,20)

Freude ist immer gut! – Freude fällt aber nicht immer leicht!
In meinem Leben mischen sich Freude und Leid. An allem, an dem ich mich erfreue, kann ich auch leiden, weil es eben nicht bleibt, nicht beständig, sondern vergänglich ist.


Ob es nun die Freude an einem besonderen Ereignis wie z.B. einem Geburtstagsfest ist oder die Freude über Menschen, die mir nahe sind und mir viel bedeuten. Ob ich mich freue, dass heute die Sonne scheint, oder ob ich mich an den Knospen einer aufblühenden Blume erfreue. Ob ich voll Freude bin, weil ich gerade eine schwierige Herausforderung erfolgreich bewältigt habe. In all diesen Zusammenhängen ist es gut, sich zu freuen. Es ist gut, wenn ich bewusst durchs Leben gehe und das Schöne und Gute, das mir widerfährt, wertschätze und achte und es mir durch meine Freude kenntlich wird, es mich durch meine Freude berührt.
Das alles ist gut(!) - und doch birgt sich in all dieser Freude auch immer ein Schmerz, denn auch das schönste Ereignis wird irgendwann zu Ende gegangen sein, der Geburtstag verstrichen. Menschen, die mir wichtig sind, kann ich nicht immer behalten, gerade weil ich sie gern habe, weil ich sie liebe, muss ich sie manchmal auch ziehen lassen, wie meine Kinder, die dann irgendwann flügge geworden, das Haus verlassen. Auch die Sonne kann nicht ewig scheinen, die schönsten Blumen welken und auf die überstandene Herausforderung folgt meist die nächste. Nichts also ist beständig, nichts bleibt, alles ist vergänglich.


Ich selbst bin - zumindest in meiner irdischen Existenz - vergänglich. Vielleicht werden mich meine Kinder und Enkelkinder auch nach meinem Tod noch erinnern. Vielleicht werden sie Bilder oder Briefe von mir aufbewahren. Aber irgendwann werden auch diese Dokumente des Erinnerns nicht mehr sein. Irgendwann werde ich, wird meine Existenz vergessen sein.
Nichts bleibt, nichts ist beständig, alles ist vergänglich.
Außer die Quelle und das Ziel allen Lebens. Außer die Unvergängliche, der Ewige selbst. Bei Gott ist alles Leben (gut) aufgehoben, findet seine Erfüllung in ihm. In seinem Reich, oder um es mit dem Evangelisten Lukas zu sagen: im Himmel sind unsere Namen verzeichnet. Dort haben wir Bestand. Dort sind wir nicht vergessen. Dort sind wir geborgen in Ewigkeit.


Klar, dieses, was uns hier das Lukasevangelium verheißt, lässt sich nicht beweisen. Es ist eine Glaubens- und keine Wissensfrage. Wer sich aber darauf einlässt, diesem Wort vertrauen kann, ihm Glauben schenkt, der gewinnt eine unvergängliche Perspektive - und das ist in der Tat Grund zur Freude!
Deshalb also: Freut euch darüber, dass eure Namen im Himmel verzeichnet sind!


Ihr
Lars Dedekind, Propst

 

Monatsspruch Januar 2021 – Ps 4,7

Gedanken zum Monatsspruch Januar 2021 von Propst Lars Dedekind

Viele sagen: „Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes! (Ps 4,7)

Eine kleine Seh-Schule zu Beginn des neuen Jahres inmitten der Corona-Pandemie, inmitten verstörender Bilder aus den USA, inmitten manch eigener Unsicherheiten und Ängste.
All diese Bedrohungen, alles, was außer Kontrolle, außer Rand und Band zu geraten droht, alles, was verstört, verängstigt, all dieses wird mir täglich vor die Augen geführt. Es ist sehr sichtbar und es ist (leider) auch sehr real. Die Augen davor zu verschließen, kann nicht die Lösung sein. Und doch ist das Verworrene, das Bedrohliche, das Böse nicht die einzige Realität. Gott sei Dank, es gibt auch andere Bilder, es gibt auch das Gute!


Deshalb mag uns der Monatsspruch für diesen ersten Monat des neuen Jahres dazu einladen, sehr bewusst unseren Blick auf Gutes zu lenken. – Vielleicht gelingt es uns dann wahrzunehmen, was es eben auch an Positivem, Hoffnungsvollem, Bestärkendem gibt. Vielleicht erkennen wir sogar, wie reich gesegnet wir sind, wie unendlich wertvoll der Schatz unseres Lebens ist! Aber dieses Erkennen lässt sich leider nicht so einfach wie durch das Umlegen eines Schalters herstellen. Ich kann ein festes Dach über dem Kopf und ein regelmäßiges Einkommen haben und mich trotzdem als zu-kurz-gekommen fühlen. Ich kann gesund und talentiert sein und mich trotzdem unsicher fühlen. Ich kann von Menschen umgeben sein, die mich mögen und mich trotzdem einsam fühlen. Ich kann in einer freien Demokratie leben und mich unfrei fühlen. Es kann Frieden sein in meinem Land und doch tobt in mir ein Krieg.


Eine Seh-Schule für das Gute kann mir Impulse geben, nicht nur das Negative wahrzunehmen, kann meinen Blick heben und mir helfen auch die Schönheit des Lebens in den Blick zu bekommen. Hierfür gibt es eine Fülle an Literatur und praktischen Angeboten von der Selbstwahrnehmung bis hin zur Selbstoptimierung. Doch bleiben diese Bemühungen oft an der Oberfläche. Dass das Gute nicht nur kurz erblickt, sondern tatsächlich wahrgenommen wird, dass es Wirkmacht entfaltet, sich in mir ausbreitet und mich zum Guten hin verändert, mir die Angst nimmt und Vertrauen schenkt, das geschieht nicht durch eine raffinierte Methode, es geschieht nicht aus eigener Kraftanstrengung. Es lässt sich nicht zwingen!
Aber wie kann ich dann das Gute sehen? Die Antwort des Psalmisten ist ein Gebet:


„Wer wird uns Gutes sehen lassen?“ HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!


Zwei Beobachtungen zu diesem Psalmwort:


1.)    Gott ist der Adressat. Ihn bittet der Psalmist: lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!

2.)    In diesem Psalmwort bleibt das Licht Gottes uns ein Gegenüber. – Nicht in uns, sondern über uns soll das Licht des Antlitzes Gottes leuchten. Wir werden von dem Licht des göttlichen Antlitzes nicht vereinnahmt, nicht durchströmt, erleuchtet oder gar in Brand gesteckt, sondern es leuchtet über uns.
Wir sind also nicht gezwungen, dieses Licht seines Antlitzes wahrzunehmen, den Blick zu heben, Gott im Gebet anzureden, ihm uns anzuvertrauen. All dieses bleibt ein Angebot. – Ein Angebot allerdings, das voraussetzt, dass das Antlitz Gottes auch tatsächlich über uns leuchtet. Deshalb schließe ich mich für das neue Jahr diesem Gebet des Psalmisten an: HERR, lass leuchten über uns das Licht deines Antlitzes!
Und ich hoffe und wünsche für uns und alle Welt, dass wir Gutes sehen werden!


Ein gesegnetes 2021!


Ihr
Lars Dedekind, Propst

Monatsspruch Dezember - Jesaja 58,7

Gedanken zum Monatsspruch Dezember 2020 von Propst Lars Dedekind


Brich den Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh Dich nicht deinem Fleisch und Blut!   
Jesaja 58, 7

 

Eigentlich ist der Dezember ein dunkler Monat. Das Licht der Sonne scheint von Tag zu Tag kürzer bis der Tag der Sonnenwende erreicht ist. In diesem Jahr wird das am 21. Dezember so sein. Danach werden die Tage dann wieder ganz allmählich länger. Doch bis zu den langen Sommertagen ist es aus der Perspektive des dunklen Dezembers ein weiter Weg.

In unserer Region kommt zu der frühen Dunkelheit oft noch die winterliche Kälte dazu, Wind und Regen, Frost und Schnee. Es ist ungemütlich draußen und daher umso schöner, wenn wir es uns drinnen behaglich machen können. Wir zelebrieren diese Zeit mit warmen Kerzenlicht, mit heißem Tee oder duftenden Glühwein und mit bunten Keksen und süßem Gebäck. Natürlich ist auch bei uns nicht alles nur gut. Natürlich haben auch wir unsere Sorgen. Und natürlich gibt es auch hinter unseren Lichterkettenfassaden traurige, einsame, enttäuschte oder wütende Menschen.

Aber von außen betrachtet, wirkt gerade in der Advents- und Weihnachtszeit diese prächtige Kulisse fast schon wie eine massive Festungsmauer. Von innen kaum wahrnehmbar, markiert sie nach außen eine klare Abgrenzung. Gerade in dieser festlichen Zeit wird erkennbar, wer drinnen ist und wer draußen. Wer es behaglich hat und wer ohne Obdach auf der Straße lebt. Wer bei gut gedecktem Festtagstisch sitzt und wer hungrig bleibt. Wer chic gekleidet von einem Geschäft ins andere bummelt und wer in alten, abgelegten Kleidern und Decken am Straßenrand sitzt. Wer Geschenke bekommt und wem im Leben nichts  geschenkt worden ist.

Diese Diskrepanz, diese Ungleichheit, diese Ungerechtigkeit wird in der Bibel nicht mit frommen weihnachtlichen Wünschen übertüncht, sondern klar benannt.

Bitte versteht mich nicht falsch, auch ich liebe den Glanz und Glitter, das Fröhliche und das Gemütliche der Advents- und Weihnachtszeit. Auch ich freue mich, über das Licht, das in der Finsternis scheint, über die Hoffnung, die zum Ausdruck kommt, wenn wir erst von Woche zu Woche eine Adventskerze mehr entzünden und dann an Weihnachten vor dem hell erleuchteten Christbaum und der Krippe stehen. Das ist gut, das ist wunderbar! Aber wäre es  nicht noch schöner, wenn es für alle so wäre?

„Brich den Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh Dich nicht deinem Fleisch und Blut!“, so fordert es schon der Prophet Jesaja ca. 700 Jahre vor Christi Geburt.
Leider hat diese Forderung auch im Jahr 2020 nichts an Aktualität eingebüßt. Trotz aller Leistungen des Sozialstaates, trotz des starken diakonischen Engagements christlicher Kirchen, trotz aller individueller Hilfe. Es bleibt die spürbare Kluft, die Ungerechtigkeit in dieser Welt. Das, was wir als einzelne tun können, um tatsächlich Abhilfe zu schaffen, mag wirklich nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein sein. Aber gerade zu dieser Zeit der Verheißung und Hoffnung gilt es, nicht zu ignorieren, zu verdrängen, sondern wahrzunehmen, den Schmerz und die Hilflosigkeit ob der Armut und des Elends und der Ungerechtigkeiten in dieser Welt zuzulassen. Es gilt, sich nicht resigniert abzuwenden, sondern hinzusehen, wahrzunehmen, den Menschen in der Not als mein „Fleisch und Blut“, als meinen Mitmenschen zu erkennen, um dann meinen Teil dazuzutun, dass sie doch gerechter, sozialer, menschlicher wird - unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unsere Welt.


Das Geheimnis von Weihnachten ist,
dass der Retter der Welt in einem Stall geboren wird,
dass der allmächtige Gott die Gestalt eines menschlichen Kindes annimmt
und in Jesus uns zum Bruder wird.

Das Geheimnis von Weihnachten ist,
dass sich Hohes und Tiefes vertauschen,
dass im Dunkeln das Licht erstrahlt,
dass von dem Moment an, wo die Nacht am längsten ist,
nun jeden Tag die Sonne etwas länger scheint.
Es ist das Geheimnis von Weihnachten,
dass das, was unmöglich scheint, doch möglich wird.

Orientieren wir uns gerade in diesen Tagen der Dunkelheit an dem Geheimnis von Weihnachten, orientieren wir uns an dem Licht, an der Hoffnung und lassen wir uns nicht entmutigen, sondern ermutigen, das Unsere beizutragen, dass dieses Licht der Hoffnung größer wird und alle Dunkelheit der Nacht erhellt, bis Sein Morgen kommt.
In dem Sinne: eine frohe und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit!


Ihr
Lars Dedekind, Propst    


Liedvorschlag: Mache Dich auf und werde Licht, denn Dein Licht kommt
Link: https://www.evangeliums.net/lieder/lied_mache_dich_auf_und_werde_licht_kanon.html

 

Monatsspruch November Jeremia 31, 9

Gedanken zum Monatsspruch November von Propst Lars Dedekind

„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“ Jeremia 31, 9


Es müssen ja nicht gleich Tränen fließen, es muss nicht gleich das große Wehklagen ausbrechen, aber sie belastet schon, die derzeitige Situation in diesem Jahr.
Es sind nicht nur die kurzen, dunklen Tage.
Es sind nicht nur die kahlen Bäume, die ihre Äste in einen trüben Novemberhimmel recken. Es ist nicht nur der übliche November-Blues, der sich auf die Seele legt.
Nein, es sind existentielle Sorgen!

Es geht um die Existenz von Geschäften und Betrieben.
Es geht um Arbeitsplätze.
Es geht um wirtschaftliche Sicherung.
Aber es geht vor allem um Menschen!

Es geht um die Kleinen in Krippen und Kitas.
Es geht um Schülerinnen und Schüler.
Es geht um Erzieher*innen und Lehrer*innen.
Es geht um junge Menschen und es geht um alte Menschen.
Es geht um Dich und mich. Wir alle sind gefragt!

Es geht darum, verantwortungsvoll zu sein, die AHA plus L-Regeln zu befolgen:
A wie Abstand,
H wie Hygiene,
A wie Alltagsmaske,
L wie Lüften.

Trotzdem bleibt da so viel Ungewissheit, so viel Unsicherheit. Das kann schon dem ein oder der anderen Angst machen. In jedem Fall bleibt aktuell vieles unter planerischem Vorbehalt, was auch uns in Kirche - gerade mit Blick auf die Advents- und Weihnachtszeit! - zu schaffen macht.

Und dann gibt es die, die an Covid-19 erkrankt sind, und natürlich auch die, die an anderen Erkrankungen leiden. Das Leben steht immer unter dem Vorbehalt der Endlichkeit. Nichts ist wirklich sicher, nur macht Corona dieses gerade besonders deutlich.

Deshalb ist es gut, wenn uns in diesem Monat November das Wort des Propheten Jeremia Perspektive und Hoffnung schenkt:

„Gott spricht: Sie werden weinend kommen, aber ich will sie trösten und leiten.“

Mögen Sie Gottes Trost und Leitung erfahren – in dieser Zeit und zu jeder Zeit.

Monatsspruch Oktober - Jeremia 29, 7

Gedanken zum Monatsspruch Oktober von Propst Lars Dedekind

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“     Jeremia 29, 7
           
Wenn die ganz heißen Sommertage vorüber sind, wenn der Morgennebel sich über Felder und Wälder legt, die Feuchtigkeit eines nächtlichen Nieselregens langsam verdunstet, wenn sich das Laub an den Bäumen langsam verfärbt, die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, dann gehen wir nicht nur auf den Herbst zu, sondern dann ist auch die Pilzsaison im vollen Gange. Mit großen Körben und kleinen, scharfen Messern ziehen Menschen durch das Unterholz auf der Suche nach Steinpilzen, Riesenschirmlingen, Champignons. Sie trotzen Wind und Wetter. Sie vereint ein Ziel, mit einem für ein Pilzgericht gut gefüllten Korb nach Hause zurückzukehren. Der Reiz ist aber nicht allein das fertige Gericht, sondern das Durchforsten von Wald und Wiese mit geschärftem Blick, die Suche nach dem nächsten essbaren Pilz.
Zu so einer Suche mit geschärftem Blick ruft uns auch der biblische Monatsspruch für den Oktober auf: Suchet! – Was sollen wir suchen? – Suchet der Stadt Bestes!
Bei den Pilzen geht das nach einiger Übung ganz gut, zu erkennen, welcher Pilz genießbar ist und welcher ungenießbar oder gar giftig. Auf der Suche nach dem Besten für die Stadt ist das etwas schwieriger. Da gibt es kein Handbuch, das die Merkmale für eine gute, genießbare Stadt ausweist und diesen klar die Attribute einer schlechten, ungenießbaren Stadt gegenüberstellt. Was das Beste ist, ist debattierbar. Was für dich das Beste ist, mag für mich gar nicht gut sein – und umgekehrt. Und wenn die Definition, was denn das Beste sei, schon in einer Beziehung zwischen zwei Menschen schwierig ist, macht es eine noch größere Gemeinschaft vieler Menschen nicht besser: „Suchet der Stadt Bestes!“
Wie aber geht das? Gibt es doch irgendwo ein klares Kriterium für das Beste?


Drei Gedanken hierzu:

(1.)    Die Suche selbst ist keine in sich geschlossene, sondern eine offene Bewegung. Sie schärft den Blick. Lässt uns auf Dinge schauen, die wir sonst womöglich übersehen hätten. Suchen sensibilisiert und lässt zu, dass ich womöglich etwas entdecke, was ich bislang gar nicht für möglich gehalten hätte.

(2.)    Die Suche nach dem Besten der Stadt ist eine Motivation, ein Ansporn nach dem Guten, ja sogar dem Besten zu streben, selbst wenn ich dieses gar nicht fassen kann. Das Beste ist in dieser Welt nie dauerhaft zu besitzen, sondern bestenfalls situationsbezogen temporär erfahrbar. In dieser Situation war dies oder das das Beste für mich, für dich, für unsere Stadt.

(3.)    Das Beste kann ich nur anstreben, wenn ich eine absolute Vergleichsgröße habe und das ist für mich als Christ Gott. Jeremia scheint hier ähnlich zu denken, wenn er der Aufforderung zur Suche nach dem Besten der Stadt die Einladung zum Gebet folgen lässt: „Betet für sie zum HERRN!“

„Suchet“ und „betet“ diese zwei Verben verbinden Aktion und Kontemplation. Sie stellen die aktive menschliche Suche in Bezug zu dem auf Gott vertrauenden Gebet und geben so Raum für beides – menschliches Handeln und Gottes Handeln zum Besten der Stadt und zum Wohlergehen aller ihrer Mitbürger.

Wenn also jetzt die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, nimm Dir die Zeit zur aktiven Suche, nach dem, was Du Gutes tun kannst, und nach dem, wofür Du Gott um seine Hilfe bitten möchtest, so dass es der Stadt, in der wir wohnen, gut geht, „denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“

 

Monatsspruch September 2020 - 2. Korinther 5,19

Gedanken zum Monatsspruch September 2020 von Propst Lars Dedekind

 

"Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“  - 2.Korinther 5,19   
    
Versöhnung – ein Wort, das in unserem aktiven Wortschatz nur selten vorkommt. Recht und Gerechtigkeit, das sind Werte, die wir schon häufiger mal als Erwartung, als Zielvorgabe, als Hoffnung kommunizieren.
Wir haben ein Wahlrecht, ein Arbeitsrecht, ein Demonstrationsrecht, ein Kirchenrecht...
Wir fordern gerechte Arbeitsverhältnisse, gerechte Entlohnung, Geschlechtergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit…
Dies alles ist gut, ist gegebenenfalls sogar messbar und einklagbar, aber Versöhnung?
In Versöhnung steckt die Sühne, also das Ausgleichen, das Wiedergutmachen einer Schuld. Im religiösen Kontext wird diese Wiedergutmachung meist durch ein Opfer vollzogen.
Schuld, Sühne, Opfer – ein Dreiklang der noch fremder, noch archaischer klingt als das Wort „Versöhnung“. Was also, fragst Du Dich vielleicht jetzt, hat das mit Dir zu tun?
Ich habe für mich erkannt, dass ich an Schuld nicht vorbeikomme. Dass ich, auch wenn ich das Gute will, wenn ich mich für Recht und Gerechtigkeit einsetze, trotzdem nicht drum herumkomme, dass mein Handeln auch negative Implikationen hat. Ich verletze Menschen, durch meine Worte, durch mein Handeln oder auch mein Schweigen oder Nicht-Handeln. Ich bin als Konsument gefangenen in einem globalen Wirtschaftsnetz, das immer auch Verlierer erzeugt, Menschen und die Natur mindestens belastet, oft ausbeutet.
Ich kann diese Schuldverstrickung leugnen oder ignorieren. Ich kann sie wahrnehmen und an ihr zerbrechen.
Oder aber ich kann Sie wahrnehmen und Schuld bekennen, Schritte hin zu einer Veränderung zumindest meines eigenen Verhaltens wagen im Wissen um meine Begrenztheit und Unvollkommenheit.
Und ich kann etwas abgeben von dem was mir gegeben ist, um es auch Anderen zur Verfügung zu stellen. Und wenn ich hiermit beginne, dann merke ich, dass Versöhnung geschieht – in mir, zwischen mir und den Anderen, zwischen mir und Gott. Trennendes wird überwunden, Gebrochenes geheilt, Schuld versöhnt.
Ich begrenzter, fehlbarer Mensch tauche ein in Gottes grenzenlose Liebe und Vergebung und erfahre ganz elementar und existentiell:
„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat."