Propstei Braunschweig

Propst Lars Dedekind Propstei Braunschweig Tel. 0531/471824 eMail: Lars.Dedekind@lk-bs.de

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Am 14. November 2019 wurde der Landesjugendpfarrer
Lars Dedekind von der Propsteisynode für zwölf Jahre als Propst gewählt

Lebenslauf Propst Dedekind

 

Monatsspruch Oktober - Jeremia 29, 7

Gedanken zum Monatsspruch Oktober von Propst Lars Dedekind

„Suchet der Stadt Bestes und betet für sie zum HERRN; denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“     Jeremia 29, 7
           
Wenn die ganz heißen Sommertage vorüber sind, wenn der Morgennebel sich über Felder und Wälder legt, die Feuchtigkeit eines nächtlichen Nieselregens langsam verdunstet, wenn sich das Laub an den Bäumen langsam verfärbt, die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, dann gehen wir nicht nur auf den Herbst zu, sondern dann ist auch die Pilzsaison im vollen Gange. Mit großen Körben und kleinen, scharfen Messern ziehen Menschen durch das Unterholz auf der Suche nach Steinpilzen, Riesenschirmlingen, Champignons. Sie trotzen Wind und Wetter. Sie vereint ein Ziel, mit einem für ein Pilzgericht gut gefüllten Korb nach Hause zurückzukehren. Der Reiz ist aber nicht allein das fertige Gericht, sondern das Durchforsten von Wald und Wiese mit geschärftem Blick, die Suche nach dem nächsten essbaren Pilz.
Zu so einer Suche mit geschärftem Blick ruft uns auch der biblische Monatsspruch für den Oktober auf: Suchet! – Was sollen wir suchen? – Suchet der Stadt Bestes!
Bei den Pilzen geht das nach einiger Übung ganz gut, zu erkennen, welcher Pilz genießbar ist und welcher ungenießbar oder gar giftig. Auf der Suche nach dem Besten für die Stadt ist das etwas schwieriger. Da gibt es kein Handbuch, das die Merkmale für eine gute, genießbare Stadt ausweist und diesen klar die Attribute einer schlechten, ungenießbaren Stadt gegenüberstellt. Was das Beste ist, ist debattierbar. Was für dich das Beste ist, mag für mich gar nicht gut sein – und umgekehrt. Und wenn die Definition, was denn das Beste sei, schon in einer Beziehung zwischen zwei Menschen schwierig ist, macht es eine noch größere Gemeinschaft vieler Menschen nicht besser: „Suchet der Stadt Bestes!“
Wie aber geht das? Gibt es doch irgendwo ein klares Kriterium für das Beste?


Drei Gedanken hierzu:

(1.)    Die Suche selbst ist keine in sich geschlossene, sondern eine offene Bewegung. Sie schärft den Blick. Lässt uns auf Dinge schauen, die wir sonst womöglich übersehen hätten. Suchen sensibilisiert und lässt zu, dass ich womöglich etwas entdecke, was ich bislang gar nicht für möglich gehalten hätte.

(2.)    Die Suche nach dem Besten der Stadt ist eine Motivation, ein Ansporn nach dem Guten, ja sogar dem Besten zu streben, selbst wenn ich dieses gar nicht fassen kann. Das Beste ist in dieser Welt nie dauerhaft zu besitzen, sondern bestenfalls situationsbezogen temporär erfahrbar. In dieser Situation war dies oder das das Beste für mich, für dich, für unsere Stadt.

(3.)    Das Beste kann ich nur anstreben, wenn ich eine absolute Vergleichsgröße habe und das ist für mich als Christ Gott. Jeremia scheint hier ähnlich zu denken, wenn er der Aufforderung zur Suche nach dem Besten der Stadt die Einladung zum Gebet folgen lässt: „Betet für sie zum HERRN!“

„Suchet“ und „betet“ diese zwei Verben verbinden Aktion und Kontemplation. Sie stellen die aktive menschliche Suche in Bezug zu dem auf Gott vertrauenden Gebet und geben so Raum für beides – menschliches Handeln und Gottes Handeln zum Besten der Stadt und zum Wohlergehen aller ihrer Mitbürger.

Wenn also jetzt die Tage kürzer und die Nächte kälter werden, nimm Dir die Zeit zur aktiven Suche, nach dem, was Du Gutes tun kannst, und nach dem, wofür Du Gott um seine Hilfe bitten möchtest, so dass es der Stadt, in der wir wohnen, gut geht, „denn wenn’s ihr wohlgeht, so geht’s euch auch wohl.“

 

Monatsspruch September 2020 - 2. Korinther 5,19

Gedanken zum Monatsspruch September 2020 von Propst Lars Dedekind

 

"Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“  - 2.Korinther 5,19   
    
Versöhnung – ein Wort, das in unserem aktiven Wortschatz nur selten vorkommt. Recht und Gerechtigkeit, das sind Werte, die wir schon häufiger mal als Erwartung, als Zielvorgabe, als Hoffnung kommunizieren.
Wir haben ein Wahlrecht, ein Arbeitsrecht, ein Demonstrationsrecht, ein Kirchenrecht...
Wir fordern gerechte Arbeitsverhältnisse, gerechte Entlohnung, Geschlechtergerechtigkeit, Klimagerechtigkeit…
Dies alles ist gut, ist gegebenenfalls sogar messbar und einklagbar, aber Versöhnung?
In Versöhnung steckt die Sühne, also das Ausgleichen, das Wiedergutmachen einer Schuld. Im religiösen Kontext wird diese Wiedergutmachung meist durch ein Opfer vollzogen.
Schuld, Sühne, Opfer – ein Dreiklang der noch fremder, noch archaischer klingt als das Wort „Versöhnung“. Was also, fragst Du Dich vielleicht jetzt, hat das mit Dir zu tun?
Ich habe für mich erkannt, dass ich an Schuld nicht vorbeikomme. Dass ich, auch wenn ich das Gute will, wenn ich mich für Recht und Gerechtigkeit einsetze, trotzdem nicht drum herumkomme, dass mein Handeln auch negative Implikationen hat. Ich verletze Menschen, durch meine Worte, durch mein Handeln oder auch mein Schweigen oder Nicht-Handeln. Ich bin als Konsument gefangenen in einem globalen Wirtschaftsnetz, das immer auch Verlierer erzeugt, Menschen und die Natur mindestens belastet, oft ausbeutet.
Ich kann diese Schuldverstrickung leugnen oder ignorieren. Ich kann sie wahrnehmen und an ihr zerbrechen.
Oder aber ich kann Sie wahrnehmen und Schuld bekennen, Schritte hin zu einer Veränderung zumindest meines eigenen Verhaltens wagen im Wissen um meine Begrenztheit und Unvollkommenheit.
Und ich kann etwas abgeben von dem was mir gegeben ist, um es auch Anderen zur Verfügung zu stellen. Und wenn ich hiermit beginne, dann merke ich, dass Versöhnung geschieht – in mir, zwischen mir und den Anderen, zwischen mir und Gott. Trennendes wird überwunden, Gebrochenes geheilt, Schuld versöhnt.
Ich begrenzter, fehlbarer Mensch tauche ein in Gottes grenzenlose Liebe und Vergebung und erfahre ganz elementar und existentiell:
„Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat."