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18.12.2025 Kategorie: Propstei

Viele fühlen sich einsam–nicht nur zu Weihnachten

Beratungsstellen leisten wichtigen Beitrag zur Stabilisierung

Einsam sein, sich allein fühlen – das betrifft hierzulande Frauen und Männer, Ältere und Jüngere. Viele Menschen fühlen sich isoliert, nicht nur an den bevorstehenden Festtagen. „Das Thema Einsamkeit spielt bei fast 23 Prozent aller Anrufe bei der Telefonseelsorge eine Rolle“, sagt die Pastoralpsychologin Dagmar Reumke, Leitende Pfarrerin der Braunschweiger Telefonseelsorge. Und auch die Fachleute bei der Jugendberatungsstelle Mondo X müssen sich immer mehr damit auseinandersetzen. „Seit der Corona-Pandemie hat sich das Gefühl der Einsamkeit bei Jugendlichen verstärkt, einhergehend mit der Digitalisierung“, hat Henrike Richter festgestellt. Die Psychologin ist Vorsitzende des Vereins Jugendberatung Mondo X.

Gleichzeitig beobachten sie und ihre Kollegen bei Jugendlichen eine Zunahme sozialer Ängste. Diese haben vermehrt Schwierigkeiten an Gruppen teilzunehmen, etwa am dreiwöchigen Konfirmandenferienseminar in Südtirol oder an den Angeboten von Mondo X. „Wir haben Probleme diese Gruppen vollzukriegen – obwohl sie seit Jahrzehnten mit Erfolg gelaufen sind.“ Ein Grund für die Zunahme sozialer Ängste könne sein, dass Jugendlichen wegen der digitalen Vernetzung weniger Raum für alltägliche Aktivitäten bleibe, etwa durch die Stadt zu bummeln, miteinander zu skaten, sich wirklich zu treffen. Doch die sozialen Medien können kein Ersatz für tatsächliche Beziehungen sein.

Dabei gehört Einsamkeit zum Leben dazu, so Dagmar Reumke. „Es gibt dieses Gefühl in allen Altersstufen und es ist Teil des Lebens.“ Das Bedürfnis nach Kontakten sei jedoch ganz unterschiedlich ausgeprägt: „Manche brauchen nur einen guten Freund, andere sind viel unterwegs oder im Sportverein aktiv und fühlen sich trotzdem allein.“ Und junge Menschen, die durch die Schule sozial eingebunden sind, können sich trotz zahlreicher Kontakte isoliert fühlen, weiß Henrike Richter. „Vor allem Jugendlichen haben ein Bedürfnis nach tieferer Verbundenheit, sie wollen gesehen werden.“

Doch wenn jemand dauerhaft unter Einsamkeit leidet, können die gesundheitlichen Folgen können gravierend sein. Insbesondere bei älteren Menschen werden als Folge Erkrankungen wie Bluthochdruck und Herzkreislauf-Erkrankungen festgestellt.

Die Ehrenamtlichen in den Beratungsstellen leisten einen wichtigen Beitrag, wenn Menschen zu sehr unter Einsamkeit leiden und das Alleinsein wehtut. Sie versuchen diese zu stabilisieren, einen guten Kontakt herzustellen, begegnen Ratsuchenden mit Wertschätzung und Empathie, können gemeinsam über mögliche Ressourcen sprechen und Impulse setzen. „Wir geben keine Ratschläge“, sagt Dagmar Reumke, „wir helfen beim Nachdenken.“ Es sei schließlich auch keine Schande, einsam zu sein. „Das sagt nichts über den Wert einer Person.“