‚Eine Frage des Gewissens‘ lautet der Titel eines differenzierten Beitrags zum Thema Krieg und Frieden, den ich in der ZDF-Mediathek gesehen habe. Er setzt sich mit der Frage eines möglichen Wehrdienstes für die Generation ab 2008 auseinander. Sind junge Menschen bereit, Deutschland auch im Kriegsfall zu verteidigen? Circa 20% der jungen Männer würden dies im Bedarfsfall freiwillig tun, so das Ergebnis einer kleinen Umfrage. Reicht das?
Und welche Rolle nimmt die Kirche dabei ein? Gut leuchtet die Dokumentation aus, dass Ev. Militärseelsorge ganz nah an der Truppe ist, ohne Teil von ihr zu werden. Gleichzeitig berät die Ev. Kirche auch Menschen, die den Dienst an der Waffe aus Gewissensgründen ablehnen. Dass das gerade kein Widerspruch ist, sondern Teil kirchlichen Wirkens in einer pluralen Gesellschaft, macht ihre Stärke aus. Kirche steht heute nicht mehr für eindeutige Basta-Entscheidungen, zeigt aber Wege und Möglichkeiten zu einer klaren Haltung auf.
Wir brauchen Räume, in denen über diese Fragen gesprochen, gestritten und reflektiert werden kann. Auch die Ev. Akademie Braunschweig wird zur neuen EKD-Friedensdenkschrift am Dienstag, 28. April um 19.00 Uhr eine öffentliche Podiumsdiskussion in St. Katharinen anbieten.
Aber diese Räume des gemeinsamen Aushandelns werden kleiner. Auch in der Braunschweiger Zeitung. Die Rubrik „Wort zum Sonntag“ soll zum 1. Mai eingestellt werden, da sich nicht genügend Menschen dafür interessierten. Ist das so?
Wo kann in unserer Gesellschaft offen und fundiert über Fragen des Gewissens öffentlich nachgedacht werden? Die Kirchen sind dafür wichtige Orte. Wir brauchen dringend öffentliche Diskursräume! Die Fragen des Gewissens muss dann jeder Einzelne für sich verantworten und eine Position finden. Ohne gemeinsames Nachdenken wird es nicht gelingen. Dafür steht die Ev. Akademie in Braunschweig. Dafür lohnt es sich einsetzen!
