Rund 43 Jahre war Hans-Dieter Karras Kirchenmusiker in Braunschweig, Kantor, Komponist, Konzertorganist und Initiator besonderer musikalischer Reihen. Jetzt wurde er in den Ruhestand verabschiedet, mit „Pauken und Trompeten“ in einem festlichen Neujahrsgottesdienst in der Riddagshäuser Klosterkirche. „Der Neujahrsgottesdienst ist mein liebstes Konzert“, sagt Karras, der an diesem besonderen Tag noch einmal an der Orgel saß. Seine Nachfolge wird am 1. März Thorsten Göbel antreten, der bisherige Domkantor des Domes in Meißen (Sachsen). Göbel wurde zum neuen Landeskirchenmusikdirektor gewählt, damit verbunden ist eine Kirchenmusikerstelle an der Klosterkirche in Riddagshausen.
Karras hat in Braunschweig 19 Jahre als Kantor und Organist an der Brüdernkirche St. Ulrici gewirkt, 2001 wechselte er nach Riddagshausen. Dass beides Klosterkirchen sind – die eine der Franziskaner, die andere der Zisterzienser – sieht er rückblickend als „Fügung“. „Das Klosterleben hat mich schon immer interessiert“, sagt Karras. Und Gregorianik – die liturgische und geistliche Musik des Mittelalters – hat er unter anderem studiert, zunächst an der Musikhochschule und der Kirchenmusikschule in Dresden, später an der Hochschule für Kirchenmusik in Herford.
Dienst nach Vorschrift war nie Karras Ding. Der rührige Kirchenmusiker hat Chöre geleitet, komponiert, Konzertreisen unternommen, die Internationalen Orgelkonzerte an der Brüdernkirche und den „Riddagshäuser Orgelsommer“ ins Leben gerufen. Auch die „Braunschweiger Kreuzgangmusiken“ hat er als Intendant betreut und mehr als 25 CDs eingespielt. Besondere Höhepunkte waren die Aufnahme der Orgelkonzerte von Josef Rheinberger in Zittau mit der damaligen Lausitzer Philharmonie und die Einspielung der Werke von Theodore Dubois in der Madeleine Kirche Paris. „Das erlebt man in der Regel nur einmal im Leben“, erinnert sich Karras.
Doch ebenso viel Freude beschert haben ihm die vielen Verbindungen zu rührigen Menschen, die die Musik unterstützen, zu Chorleitern und Solisten, zu Posaunenchor und Kammerchor. „Viele Musikerinnen und Musiker haben mich auf meinem Weg begleitet und der Klosterkirche wunderbare musikalische Momente geschenkt“, schreibt Karras zum Abschied.
Mit den „Klangmeditationen zu Liedern der Hl. Hildegard von Bingen“ haben Karras und seine Tochter Eva-Maria Karras neues Publikum für die Musik der Klosterkirche gewinnen können. Diese Klangmeditationen will Karras auch künftig zu Gehör bringen und er wird die beiden Gruppen weiter betreuen, die einstimmigen liturgischen Gesang vortragen, die „Scholen“. Doch das sind bei weitem nicht alle Pläne für den Ruhestand: Karras würde gern wieder auf Konzertreise gehen und auch der Riddagshäuser Orgelsommer ist für dieses Jahr organisiert – das Publikum wird sich freuen.

