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16.01.2026 Kategorie: Propstei, Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag, 17.01.2026

Jesus weinte. (Johannes 11,35)

Tränen gehören zum Leben. Sie fließen bei Abschieden, bei Ohnmacht, bei Liebe. Wer weint, zeigt etwas von sich – ohne Worte, ehrlich und verletzlich.

Was haben Sie vor Augen, wenn Sie an Jesus denken? in der Bibel begegnet die tiefe Überzeugung: Dort, wo Jesus ist, zeigt Gott sein wahres Angesicht.
Die Gemeinde konnte bekennen: „Jesus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.“ Mehr noch: Gott möchte unser Bild von ihm prägen – ganz und gar. Mit, in und durch Jesus von Nazareth hat Gott sich gezeigt. Und was sehen wir? Unter anderem den kürzesten Vers der Bibel: Jesus weinte. Wer den Zusammenhang liest, erfährt: Ein Freund Jesu ist gestorben. Am Grab des Lazarus stehen Trauer, Schmerz und Hilflosigkeit. Und Jesus steht mitten darin – und weint. Ich bin überzeugt: Gott ist genau so. Er lässt sich von unseren Tränen berühren. Er leidet mit. Gott ist keinem Menschen fern. Ihm ist es nicht egal, wenn wir leiden. Diese Einsicht trägt mich besonders in Zeiten, in denen ich Gott nicht verstehe. Wenn Gebete scheinbar unbeantwortet bleiben, wenn Krankheit, Abschied oder Schuld das Leben dunkel färben, dann hilft mir dieser eine Satz: Jesus weinte. Gott steht nicht kühl daneben und erklärt mein Leid. Er teilt es. Er hält es aus – mit mir. Dabei bleibt es nicht bei den Tränen. Die Geschichte von Lazarus endet nicht am Grab. Jesu Weinen ist kein Zeichen von Ohnmacht, sondern von Liebe. Und aus dieser Liebe wächst Hoffnung. Oft leise, manchmal erst viel später – aber wirklich. Gott zeigt sich. Nicht nur im Glanz, sondern auch in unserer Verletzlichkeit. Wer auf Jesus schaut, sieht einen Gott, der menschliche Tränen kennt und ernst nimmt. Darauf dürfen wir vertrauen: Unsere Tränen fallen nicht ins Leere. Gott sieht sie. Und er bleibt bei uns.

Robert Lau, Foto: privat