Der neue Landeskirchenmusikdirektor ist zwar erst seit einigen Wochen in der Stadt, doch er ist bereits voll des Lobes. „Ich bin in Braunschweig angekommen und ich bin gern hier“, freut sich Thorsten Göbel, der gleichzeitig mit einer halben Stelle Organist in der Klosterkirche Riddagshausen ist. Zuvor war der 49-Jährige Domkantor im sächsischen Meißen.
Dabei sind die Herausforderungen groß, mit denen er sich auseinandersetzen muss: Denn die Landeskirche Braunschweig steht vor einer der größten Strukturreformen mit einer Zusammenfassung von Propsteien und Gemeinden. Als Landeskirchenmusikdirektor wird Göbel dabei die Interessen zwischen Landeskirche, Kirchenmusik, Gemeinden und Propsteien koordinieren. Sein Ziel ist klar: „Ich möchte die Kirchenmusiker Musik machen lassen.“ Und er möchte für Kirchenmusiker ein „Maximum an Arbeits-, Leistungs- und Lebensfähigkeit“ erhalten.
Derzeit besucht Göbel die Gemeinden, lernt Pfarrerinnen und hauptamtliche Kirchenmusiker kennen, erfährt wie sich Gemeinden verändern, hört vom Ringen um Finanzen und die Besetzung von Stellen. „Ich möchte wissen, für wen ich da bin“, sagt Göbel. Angesichts der anstehenden Reformen ist es seiner Meinung nach erforderlich, Strukturen aufzubauen und Wege aufzuzeigen, wie man mit den Neuerungen umgehen kann. Wichtig ist ihm dabei, dass Pfarrer und Kirchenmusikerinnen auf Augenhöhe miteinander arbeiten. Es sollte eine „Kultur der Anerkennung“ geben, schließlich hält die Kirchenmusik das Gemeindeleben zusammen.
Und die Kirchenmusik kann ein Magnet für Besucherinnen und Besucher sein, wie die Konzerte in der Klosterkirche Riddagshausen und in der Frauenkapelle zeigen. Als Organist ist Göbel dort bei Konzerten und in den Gottesdiensten dabei, etwa am Ostersonntag, 5. April, um 17 Uhr beim Osterkonzert mit Solotrompeter Dennis Melzer. Auch beim Internationalen Riddagshäuser Orgelsommer wird er mit von der Partie sein und am Zweiten Advent soll eine Großveranstaltung für die Landeskirche stattfinden, ein musikalischer Weg zwischen Tradition und Gegenwart.
Für die Konzerttätigkeit ist Göbel ist bestens gerüstet. Er hat evangelische Kirchenmusik und Dirigieren/Orchesterleitung in Frankreich und Würzburg studiert und war als Kantor der Auferstehungskirche in Düsseldorf-Oberkassel tätig sowie als Landtagsorganist am Landtag von Nordrhein-Westfalen. Als Domkantor in Meißen hat er mit bedeutenden Aufführungen wie Brittens Kirchenoper „Curlew River“ und der Uraufführung „1423“künstlerische Akzente gesetzt. Darüber hinaus hat er Konzertreihen ins Leben gerufen sowie innovative Formate wie „organ & bikes“, Radtouren mit Orgelkonzerten zu verschiedenen Orten. Vielleicht könnte er damit auch in Braunschweig weitere Orgelfreunde gewinnen.

