„Rosa ist eine Mädchenfarbe“, so wurde es in meiner Kindheit ganz oft gesagt. Ich hab die Farbe deswegen nicht so wirklich gemocht. Ich wollte nicht auf mein Mädchen sein reduziert werden. Zumal das Spielen mit den beliebten Plastikfiguren, die entweder in Kombination mit einem Pferd oder verschiedenster anderer Hobbys in rosarot bis knallpink verkauft wurden, nicht das Einzige war, was mich interessiert hat.
Ob sich diese Zuordnung heutzutage schon geändert hat oder wir dieser farbigen Geschlechtseinteilung noch anhängen, vermag ich nicht gänzlich zu beurteilen. Auf jeden Fall werden Themen, die vor allen Dingen das weibliche Geschlecht betreffen, offener angesprochen – auch da ist sicher noch Luft nach oben und trotzdem finde ich es beeindruckend, was in den letzten Tagen, rund um den 8. März in Braunschweig sichtbar wurde.
Wie passend ist es, dass am morgigen Sonntag nun ein verfrühtes Aufatmen in der sonst so herausfordernden Zeit vor Ostern ansteht. Und noch mehr muss ich schmunzeln, wenn ich die dazugehörige liturgische Farbe sehe: rosa. Es gibt sie nur zweimal im ganzen Jahr, immer zur Unterbrechung der Fastenzeit. In Kirche ist rosa also etwas Besonderes – sogar das männliche Oberhaupt der kath. Kirche hat ein solch zartfarbiges Gewand. In der Farbkunde wird rosa oft mit Romantik oder sogar Unschuld assoziiert. Bis heute wird sie von mehr als einem Drittel der Bevölkerung mit Weiblichkeit verbunden. Dass sie damit für andere Geschlechter ausgeschlossen ist, diese Annahme sollte der Vergangenheit angehören.
Für mich ist die Farbe vor allem mit Aufbruch verbunden, mit einer zarten Hoffnung auf Frieden und mit kommendem Frühling, der sich ganz besonders schön in rosaroten Kirschblüten zeigt. Die Knospen an den Bäumen lassen das neue Leben schon jetzt erahnen. Zum Glück wird die Puppe aus Plastik mittlerweile auch in andere Farben gekleidet. Der stets pinke Karton zeugt allerdings immer noch von alten Klischees. In der Mitte der Passionszeit steht das liturgische Rosa für Freude und die Vergewisserung, dass die alljährliche Erwartung des Osterfestes nicht mehr lange andauern wird.
Möge es für die Frauen dieser Welt auch kein langes Warten auf Gleichberechtigung mehr geben – mit oder ohne rosa Kleidung.
