Exnovation. Was für ein Wort! Laut Duden meint es das Gegenteil von Innovation. Bei allem Auftürmen von Ideen, Projekten, Verpflichtungen ist irgendwann einmal der Zeitpunkt gekommen „Halt!“ zu sagen. Stattdessen: Dinge im alltäglichen Getriebe einfach mal sein zu lassen. Zurückzuschrauben, was sich eher als Belastung herausstellt, was überfordert und schon längere Zeit nicht mehr die gewünschte Resonanz zeigt.
Dennoch kein leichtes Unterfangen, wenn Anforderungen unausweichlich bedrängen, wenn sich Strukturen festgefahren haben, aber zugleich spürbar wird, über Grenzen des Zumutbaren gegangen zu sein. Es ist einfach zu viel, höre ich in diesen Tagen viele Menschen ächzen und stöhnen. Doch was könnte man sein lassen? Erwartungen an sich selbst und von anderen sind zuweilen zu massiv, um sich von Überforderungen zu lösen.
In diesen Wochen sind wir eingeladen einmal exnovativ sein zu dürfen. Die Fasten- und Passionszeit ist seit Aschermittwoch eingeläutet und verbindet uns in diesem Jahr auf wunderbare Weise mit unseren muslimischen Glaubensgeschwistern, die zeitgleich den Ramadan beginnen. Wir sind eingeladen zum Verzichten-dürfen, können beiseite räumen, was sich als Ballast herausstellt, um sich zu lösen und zu befreien. Seit vielen Jahren lädt die Evangelische Kirche zur Aktion „7 Wochen ohne!“ ein. In diesem Jahr als Appell zum Nachdenken, diese Wochen einmal ohne Härte, vielmehr mit Gefühl zu erleben. Keine schlechte Idee in Zeiten, in denen Meinungen so oft unsachlich aufeinanderprallen.
Übrigens: Auch mit Blick auf das zukünftige Gesicht von Kirche könnte Exnovation zum Segen werden. Wo wir uns nicht mit aller Härte festkrallen an Überholtem, sondern getrost Abschied nehmen können von dem, was vielleicht schon längere Zeit nicht mehr so richtig trägt, um geistliche Quellen neu zu entdecken, die unserer Seele wohltun.
Thomas Vogt ist stv. Propst in Braunschweig und Gemeindepfarrer in St. Johannis
