Anfang der Sommerferien waren wir mit einer Gemeindefahrt auf Spiekeroog. Unser Thema lautete: „Mit allen Sinnen die Insel entdecken.“ Dabei haben wir ein kleines Geschmacks-Rätsel gemacht: Wir haben Süßwasser und Salzwasser probiert. Von außen sahen beide gleich aus – klar, durchsichtig, unscheinbar. Erst als wir bewusst gekostet haben, wurde der Unterschied deutlich.
Diese Erfahrung von Wahrnehmung lässt sich auf viele Bereiche unseres Lebens übertragen. Wie oft meinen wir, etwas oder jemanden schon zu kennen, weil wir nur auf das Äußere schauen. Doch wer sich Zeit nimmt, genauer hinzusehen, hinzuhören und hinzuspüren, entdeckt mehr.
Gerade heute, wo künstliche Intelligenz immer mehr Raum in unserer Gesellschaft einnimmt, ist das genaue Hinsehen und Hinhören wichtig, um wahr und falsch auseinander zu halten.
In dieser Zeit, in der Menschen oft nach Daten, Leistung oder Effizienz beurteilt werden, sind „echte“ Begegnungen und eine sensible Wahrnehmung voneinander wichtig.
Jesus Christus hat die Wahrnehmung seiner Jünger geschult. Dort, wo sich alle weggedreht haben, hat er hingesehen und die Hilferufe, die alle überhören wollten hat er gehört. In der Bibel heißt es, dass Gott unser Ohr aufweckt: „Jeden Morgen weckt er mein Ohr, damit ich höre, wie Jünger hören“ (Jes 50,4f.). Manchmal brauchen wir so einen Weckruf für unsere Sinne, damit wir sie bewusst schärfen und achtsam durchs Leben gehen.
Unsere Tage auf Spiekeroog waren auch deshalb so besonders, weil wir uns Zeit füreinander genommen haben. Weniger Bildschirm, mehr Begegnung – weniger Eile, mehr Achtsamkeit. Vielleicht brauchen wir genau das, um den Menschen neben uns wirklich wahrzunehmen – und nicht nur sein Äußeres oder seine Funktion.
Ich wünsche Ihnen eine schöne Sommerzeit, in der Sie viel Neues sehen, entdecken und spüren dürfen – mit allen Sinnen, offenem Herzen und wachem Geist.

