Diese Zeit zwischen den Jahren ist etwas Besonderes. Stiller, mit Gedanken, die ins vergangene Jahr zurückgehen und den Sorgen vor den Herausforderungen des kommenden Jahres. Werden sich alte Konflikte, wie der Krieg in der Ukraine, endlich lösen? Werden wir es schaffen, trotz aller wirtschaftlichen Sorgen, unserer Verantwortung für die Zukunft dieser Welt gerecht zu werden? Werden Würde und Respekt für alle Menschen, die bei uns leben, auch nach weiteren Landtagswahlen gewahrt bleiben? Kaum einer würde diese Fragen mit einem eindeutigen Ja beantworten. Wir haben Sorgen und Ängste, die nicht unbegründet sind. Und doch ist es eine Grundfrage mit welcher Gestimmtheit wir ins neue Jahr gehen.
In Wolfsburg gibt es derzeit im Kunstmuseum eine Ausstellung zum Thema „Utopia- Recht auf Hoffnung“. Utopien sind gerade nicht hoch im Kurs. Seit dem Zusammenbruch des realexistierenden Sozialismus sind globale Utopien rar geworden. Die Ausstellung zeigt stattdessen viele gute Beispiele von Mikro-Utopien, die im politischen, ökologischen oder architektonischen Bereich liegen. Diese Beispiele spiegeln eine Haltung wider, die nicht im Vorfindlichen endet. Das ist mehr als Rechthaben bei Problembeschreibungen. Das ist zukunftsfähig, denn die Zukunft wird in hohem Maße so werden, wie wir heute darüber denken und sprechen.
Hoffnung ist daher auch ein genuin religiöses Thema. Es muss nicht alles bleiben wie es ist. Geschichte lässt sich im Angesicht Gottes auch ganz anders erzählen. Davon handelt die Bibel. Im letzten Buch, der Offenbarung des Johannes, spricht sie von einer alles veränderten Hoffnung: „Siehe, ich mache alles neu!“ (Apk 21,5).
Das ist die Jahreslosung 2026. Wie wohltuend ist diese Perspektive in den stillen Tagen bis zum neuen Jahr. Es geht um mehr als gute Vorsätze, es geht um das Vertrauen in Gottes Zukunft mit uns.
Pfarrerin Kerstin Vogt, Direktorin des Theologischen Zentrums in Braunschweig und der Ev. Akademie Abt Jerusalem
