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27.05.2026 Kategorie: Propstei, Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag, 31.05.2026

Wie Tee im Wasser

Vor wenigen Tagen haben wir dieses geheimnisvolle Fest Pfingsten gefeiert: die Ausgießung des Heiligen Geistes. Doch wie kann man das verstehen? Vielleicht helfen die Worte Jesu: „Wenn jemand mich liebt, so wird er mein Wort bewahren, und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen“ (Joh 14,23).

Mit diesem „Wir“ meint Jesus den Geist Gottes. Er will in uns wohnen, uns nahe sein und Gemeinschaft mit uns haben. Doch wie kann man sich dieses Geheimnis vorstellen?

Mir hilft dafür das Bild einer Tasse mit heißem Wasser, in die ein Teebeutel gelegt wird. Die Tasse steht für unseren Körper, das Wasser für unser Inneres, der Teebeutel für den Heiligen Geist. Sobald der Tee ins Wasser kommt, beginnt er, es langsam zu durchdringen: Farbe, Geschmack und Kraft gehen auf das Wasser über. Das Wasser bleibt Wasser – und wird doch verwandelt.

So wirkt Gottes Geist. Er löscht unsere Persönlichkeit nicht aus. Er macht uns vielmehr zu den Menschen, die wir eigentlich sein sollen: liebevoller, geduldiger, versöhnlicher, innerlich heil. Wir werden Jesus ähnlicher – durch unsere eigene Persönlichkeit hindurch. Diese Veränderung geschieht nicht auf Knopfdruck. Wie Tee Zeit zum Ziehen braucht, so braucht auch unser Leben Zeit. Gott hat Geduld mit uns. Schritt für Schritt prägt uns sein Geist.

Vielleicht ist genau das christlicher Glaube: dass Gott uns so nahe kommen will wie ein Tee dem Wasser – still, durchdringend und verwandelnd. Diesen Geist möchte Gott uns schenken, egal wie es um uns steht. Jesus sagt: „Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben wisst, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist geben denen, die ihn bitten!“ (Lk 11,13)