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02.04.2026 Kategorie: Propstei, Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag, 03.04.2026

Von allen verlassen

Jedes Jahr zu Karfreitag beginnt die Diskussion, warum denn keine öffentlichen Tanzveranstaltungen erlaubt seien. Rücksichtnahme auf die rund 50% ChristInnen in unserem Land wäre ein gutes Argument. Vor allem aber denke ich, es schadet und überfordert niemanden, wenn wir einen Tag im Jahr nutzen uns zu besinnen, dass der Tod zum Leben gehört. Wir alle sind Sterbliche.

Viele Menschen dürfen alt und lebenssatt friedlich sterben. Doch es gibt auch ein anderes Sterben. Wenn ein Mensch aus der Lebensmitte gerissen wird durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall. Wenn kleine Kinder ihren Vater sterben sehen. Wenn eine Mutter ihr sterbendes Kind in den Armen hält. Wenn ich in die Welt schaue und auf eine Geschichte von Krieg, Gewalt und Zerstörung blicke, wo ist in all diesem unfassbaren Leid Gott? Ist er da, obwohl ich ihn nicht entdecken kann? Könnte und müsste er dies Leid dann nicht verhindern? Angst, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit nehmen mich ganz gefangen. Ich verstumme oder ich möchte schreien wie Jesus am Kreuz, warum hast du mich verlassen, mein Gott? So bleibt Gott der einzige, an den ich mich wenden kann in meiner Not.

Erst mit der Auferstehung Jesu von den Toten -also im Rückblick- zeigt sich, dass Gott auch im tiefsten Leid bei Jesus war. Auch wenn nicht einmal Jesus selbst dies in diesem Moment gespürt hat. So wissen auch wir oft nicht, warum ein Unglück geschieht. So spüren wir Gott manchmal nicht bei uns. Dennoch können wir darauf vertrauen, dass Gott selbst in den dunkelsten Stunden bei uns ist. Selbst der Tod ist nicht gottlos. Der Tod ist der Übergang in ein neues, ewiges Leben. So verliert der Tod seinen Schrecken. So schrecklich wir den Tod auch erleben.