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05.02.2026 Kategorie: Propstei

Neues Gottesdienstmodell in St. Michaelis

Gespräche statt Predigt: Wohnzimmerkirche mit gemütlicher Atmosphäre

Gemeinsam singen, erzählen, essen, zuhören, segnen – all‘ das können Besucherinnen und Besucher bei der „Wohnzimmerkirche“ in St. Michaelis, Echternstraße 67. Der nächste Termin ist am Freitag, 13. Februar, von 19 Uhr an, das Thema passend zum Valentinstag „Love is all you need“, es geht also um Liebe. Vorbereitet wird die Wohnzimmerkirche von einem kleinen Team mit Pfarrer Jakob Timmermann, Frank Stuhlmann, Nike Geck und Leon Kuklinkski.

Wohnzimmerkirche - das heißt zunächst einmal eine gemütliche Atmosphäre. Die Kirchenbänke der ersten Reihen werden zur Seite gerückt, stattdessen gibt es kleine Sitzgruppen mit Tischen, Zimmerpflanzen und Lampen mit gedämpftem Licht. Ganz wichtig ist ein umfunktionierter Kaugummiautomat mit Kugeln. Darin befinden sich Fragen rund um das Thema des Abends, über das sich die Teilnehmer austauschen können. Am 13. Februar kann es beispielsweise um Nächstenliebe gehen, um die Frage, wo dem Einzelnen Gottes Liebe begegnet oder auch welche Liebesfilme man kennt. „Wichtig ist, dass sich Menschen auf Augenhöhe begegnen“, sagt Jakob Timmermann. „Wir wollen Gemeinschaft erleben ohne Hürden und Grenzen“, ergänzt Frank Stuhlmann, „jeder und jede soll sich willkommen fühlen.“

Ebenso wichtig ist die Musik. Das Team hat ein Liederheft zusammengestellt, in dem sich das Pop-Duo Rosenstolz ebenso findet wie die Beatles oder Gemeindekirchenlieder. Bei der Wohnzimmerkirche stimmen die Anwesenden ab, was sie gemeinsam singen wollen. Eine Predigt gibt es nicht, Lesungen aus biblischen Texten bieten Impulse und Denkanstöße für Gespräche in kleinen Gruppen. Die Besucher beten gemeinsam, beispielsweise das Vaterunser in einer Version von der Autorin und Bloggerin Susanne Niemeyer. Auch Segensangebote gibt es.

Die Wohnzimmerkirche in St. Michaelis ist ein Angebot für die ganze Stadt, betont Pfarrer Timmermann. Und sie ist ein Testlauf mit zunächst drei Terminen mit dem Motto „Holy Shit“. „Dieses Motto bezieht sich auf das Leben mit all‘ seinen Facetten“, erklärt Frank Stuhlmann. Beim ersten Termin der Wohnzimmerkirche mit dem Thema "Call me by your name" ging es um Identität und Namen. Dabei hat eine Dragqueen (eine Person, die sich als Frau darstellt) von ihren zwei Identitäten gesprochen und ein Transmensch vom Kampf mit dem Namen. Beim nächsten Termin am Gründonnerstag, 2. April, steht das Thema „Verrat“ im Mittelpunkt.  

Vorbild für das neue Format in St. Michaelis ist die Wohnzimmerkirche in Hamburg, die bereits seit mehreren Jahren stattfindet. Sie wendet sich an Menschen, die den klassischen Gottesdienst nicht besuchen, aber durchaus religiös gestimmt sind. Und die möchte auch das Team um Jakob Timmermann erreichen.             

Die Wohnzimmerkirche wird von einem kleinen Team vorbereitet (von links): Leon Kuklinkski, Nike Geck, Pfarrer Jakob Timmermann und Frank Stuhlmann. Foto: Rosemarie Garbe