Nach mehr als 30 Jahren ist es wieder soweit: Die Evangelische Kirche in Deutschland gibt ein neues Gesangbuch heraus. Im Advent 2028 soll es auf den Kirchenbänken liegen, jetzt befindet es sich in der Erprobungsphase in den Gemeinden, beispielsweise in der Katharinenkirche, in der Gemeinde „Zur Heiligen Dreifaltigkeit“ in Bienrode und in der Trinitatisgemeinde in Schapen. An dem neuen Gesangbuch hat eine gut 70-köpfige Gesangbuchkommission aus allen Landeskirchen und Fachverbänden seit 2020 gearbeitet – mit dabei ist die Braunschweiger Pfarrerin Jonah Klee.
Als Mitglied des Textausschusses entscheidet sie mit, welche Gebete, Andachten, Lesungen oder Segen künftig im Gesangbuch zu finden sind. „Wir wollen eine Auswahl finden, die der Identität der Christen des 21. Jahrhunderts entspricht und ein Abbild dessen ist, was Christen heutzutage glauben“, sagt Jonah Klee. Das Ergebnis ist eine Mischung aus alten und neuen Texten, aus Ritualen und Impulsen zum Nachdenken, aus Bibel- und Einführungstexten. Und so findet sich Luthers Abendsegen neben den Gebeten der Theologin Cornelia Egg-Möwes, die über ihren Twitterkanal bekannt wurde.
Besonders schwer war die Auswahl der Lieder. Der zuständige Ausschuss musste allein zwischen 17.000 Titeln entscheiden, die aus gängigen Liederbüchern stammen oder von Interessierten vorgeschlagen worden sind. So finden sich in dem neuen Buch Gospel wie „Oh happy day“, Leonhard Cohens „Halleluja“ oder „Der Mond ist aufgegangen“ von Matthias Claudius. Aber es gibt auch Lieder aus der Gregorianik, ökumenische Lieder und bekannte Kirchenlieder wie „Lobe den Herren“.
Anders als bisher werden Lieder und Texte in dem Buch verschränkt. Dafür gibt es sechs große Rubriken: TagesZeit, JahresZeit (Kirchenjahr und Jahreskreis) FeierZeit (Gottesdienst feiern), AlleZeit (Psalmen singen und beten), LebensZeit (wachsen, reifen, weitergehen) und WeltZeit (glauben, lieben, hoffen). Jeder Rubrik ist eine Farbe zugeordnet, so dass sich die einzelnen Themen besser finden lassen. Durch die Farben wirkt das Gesangbuch deutlich lebhafter als bisherige Ausgaben.
Auch regionale Bedürfnisse wurden kommen nicht zu kurz. Für das Braunschweiger Land gibt es die Ausgabe für die Konföderation der Nordkirchen. Darin werden Lieder, die unsere Landeskirche repräsentieren, ebenso berücksichtigt wie plattdeutsche Stücke.
Und was ist, wenn die Gemeinde die neuen Lieder nicht kennt und nicht mitsingt? Dafür gibt es nicht nur das Gesangbuch, sondern auch Online-Datenbanken, eine App und die Plattform www.mitsingen.de, die zum Mitsingen inspirieren will. „Es ist wichtig, die Singfreude zu fördern“, sagt Pfarrerin Klee, „die Kirchenmusik ist das Feld, über das Menschen erreicht werden können.“

