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04.02.2026 Kategorie: Propstei, Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag, 07.02.2026

Meinungsfreiheit - Oder kann man nicht mehr sagen, was man will?

Das Thema Meinungsfreiheit und Meinungsbildung beschäftigt die Ev. Akademie schon seit längerer Zeit. Zeitungen, öffentlich-rechtliche Sender und besonders das Internet sind voll davon und zugleich haben viele Menschen den Eindruck, dass sie nicht mehr sagen könnten, was sie wollten. Zwischen dem Gefühl von Zensur und Orientierungslosigkeit liegt oft nur ein schmaler Grat.

Meinung als Basisbegriff politischer Selbstverständigung ist selbst unter dem Verdacht der Beliebigkeit, Subjektivität und Willkür geraten. Meinungsbildung oszilliert zwischen Einflussnahme und ungefilterter Informationsflut. 

Für mich kommt es dabei auf die Grundhaltung an. Eröffnet meine Meinung, die sich auf meine Lesart der Wirklichkeit stützt, einen Raum zum Dialog? Bin ich überhaupt an einem Dialog mit Menschen anderer Meinung interessiert? Kann ich mich selbst soweit relativieren, dass ich auch meine Meinung nur für eine mögliche halte? Das scheint heute immer schwerer zu fallen. Schnell geraten wir bei politischen Reizthemen in Stereotype und wiederholen sie so lange, bis wir selbst davon restlos überzeugt sind. Der Andere wird zum Objekt meiner Überzeugungskraft. Das Ergebnis sind isolierte Blasen, in denen wir uns gerne aufhalten und bewegen.

Wie schwer fällt es, diese miteinander ins Gespräch zu bringen. Daniel Schreibers Essay“ Liebe! Ein Aufruf“ versucht wieder ein Gefühl von Verbundenheit und des Gemeinsinns in unseren gesellschaftlichen Diskurs zu etablieren. Er möchte in der gegenwärtigen Eskalation des Hasses in unserem politischen Denken gegen eine Rhetorik der Menschenverachtung und Gewalt angehen.  

Das hieße Nächstenliebe zur Grundlage wahrer Meinungsbildung zu machen. Wenn es mir wirklich um den Anderen geht, kann ich auch konträre Meinungen ertragen und mich mit anderen Deutungen auseinandersetzen. Und umgekehrt auch auf die Bilder meiner eigenen Sprache mehr zu achten. Mir scheint, dass wir das heute dringender denn je brauchen.