Aus Anlass des Internationalen Frauentages am Sonntag, 8. März, wird in der Martinikirche um 10.30 Uhr ein Gottesdienst in frauenfreundlicher und gendergerechter Sprache und Liturgie gefeiert. Die Predigt hält die künftige Braunschweiger Landesbischöfin Dr. Christina-Maria Bammel. „Seid wütend“, heißt es hier in Anlehnung an ein Zitat aus dem „Epheser-Brief“. „Wut“ ist auch das zentrale Thema des Internationalen Frauentages, mit dem weltweit auf die Ungleichbehandlung von Mann und Frau aufmerksam gemacht. In Braunschweig hat das breit angelegte 8. März-Bündnis eine dreiwöchige Veranstaltungsreihe organisiert mit Vorträgen, Filmen, Lesungen, Oper und Schauspiel rund um das zentrale Thema „Wut.“
Den Frauengottesdienst in der Martinikirche veranstaltet der „KirchenFrauenKonvent“ der Landeskirche rund um die Pfarrerinnen Jonah Klee, Kathleen Müller, Dr. Vanessa Viehweger und Sabine Wittekopf. Soyon Park spielt Orgel und Klavier. Was Wut mit Gott und der Wahrheit und dem Leben zu tun hat, wollen die Besucherinnen in dem Gottesdienst entdecken und feiern, heißt es in der Ankündigung. „Wütend und mutig, fröhlich und lebendig.“
Mit dem Internationalen Frauentag soll auf Missstände und Ungleichheiten in der Gesellschaft aufmerksam gemacht werden sowie auf Rückschritte in der Frauenpolitik. Beispielsweise, so Pfarrerin Müller, verdienen Frauen noch immer weniger als Männer, in Führungspositionen sind sie unterrepräsentiert. Und da Frauen meistens Kindererziehung und Pflegetätigkeiten übernehmen, bekommen sie in der Regel eine geringere Rente.
Sabine Wittekopf nennt als weiteren Missstand Gewalt in Beziehungen, die vor allem Frauen trifft. Dass Schwangerschaftsabbrüche in Deutschland nach wie vor als Straftat gelten, sei nicht hinnehmbar. „In Frankreich gibt es ein Grundrecht auf Abtreibungen“, betont die Pfarrerin.
Auch in der Theologie, in liturgischen Texten und Liedern, dominiere eine männliche Sichtweise. Kathleen Müller verwendet in ihren Gottesdiensten daher nicht nur männliche Formen: „Ich spreche den Segen auch weiblich.“ Sabine Wittekopf wirbt für einen sensiblen Umgang mit Sprache, denn „Sprache ist stark bewusstseinsbildend.“ Und sie ergänzt: „Wenn es um Bibel und Religion geht, ist Sprache ganz wichtig und prägend.“
Nach dem Gottesdienst in der Martinikirche können die Besucherinnen ab 11.55 Uhr an einem Empfang zum Internationalen Frauentag in der Dornse des Altstadtrathauses teilnehmen, Bürgermeisterin Christina Antonelli-Ngameni überbringt das Grußwort der Stadt. Um 14 Uhr beginnt eine Demo durch die Innenstadt unter dem Motto „Feministische Furore“ und zum Abschluss gibt es einen szenischen Liederabend im Kleinen Haus.

