Mehr Jazz und Pop, mehr Swing und Gospel – die Propstei Braunschweig will die Bedeutung der Popularmusik in den Kirchen stärken. Ein Jahr lang wird Popkantor Karsten Ruß diese Aufgabe übernehmen, neben seiner Tätigkeit für die braunschweigische Landeskirche. Danach soll die Stelle eines Popkantors für die Propstei Braunschweig ausgeschrieben werden. „Ziel ist es, populare Musik zu bewerben und zu fördern“, sagt Ruß, der nach einem Musikstudium Solo-Tenor an Opernbühnen war. „Wir wollen zusammen ins Singen und Musizieren kommen.“
Für die Landeskirche hat Ruß bereits verschiedene Projekte initiiert: beispielsweise das Musical „Passion“ in Hornburg, popularmusikalische Keyboardkurse, Schattenspiele für Kinder, regelmäßige Andachten mit Liedern in der Riddagshäuser Frauenkappelle oder Mit-Sing-Projekte für alle Generationen. Für alle diese Vorhaben gilt: Die Menschen konsumieren nicht nur, sondern gestalten aktiv mit. „Wir wollen ansprechende Gottesdienste in heutiger Zeit machen“, betont der Kantor. Diese Aufgabe versteht er allerdings nicht nur rein musikalisch. Ihm geht es um neue Gottesdienstformate mit musikalisch-künstlerischen Ansätzen, um das Wechselspiel von Wort und Musik. Und dabei darf auch die herkömmliche Sitzordnung in Kirchen hinterfragt werden. „Ich will das Gesamtpaket“, so Ruß.
Dabei stellt er die Bedeutung alter Musik und des Orgelspiels nicht in Frage. Seine Forderung: „Lasst uns schauen, dass wir die Kirchenmusik viel größer begreifen und ganz unterschiedliche Musikstile miteinbeziehen.“ Ihm ist es wichtig, Hörgewohnheiten unserer Gesellschaft aufzugreifen: „Mir geht es um gute Musik in der Kirche.“
Einen Einblick von der Bandbreite der kirchenmusikalischen Landschaft konnten sich Interessenten beim ersten Musiktag der Landeskirche Braunschweig machen: von der „Männerschola Gregoriana“ über Lobpreislieder bis zu „Rock und Movie auf Orgel und Synthesizer“. Auch ein Pop-Oratorium will Karsten Ruß (Regie) gemeinsam mit Hartmut Naumann (musikalische Leitung) und Tiago Manquinho (Choreograf) inszenieren, „Jesaja“. Für die Aufführung im März 2027 in Wolfenbüttel und Hannover werden schon jetzt Sänger und Sängerinnen, Tänzer und Tänzerinnen gesucht.
Am Sonntag, 26. April, wird um 17 Uhr ein internationaler Gottesdienst auf Englisch und Deutsch im Martin-Luther-Haus, Zuckerbergweg 26 gefeiert. Die Predigt hält Anne Matthys aus Südafrika, Pastorin in Hildesheim. Der Chor der ESG (evangelische Studierendengemeinde) und Popkantor Karsten Ruß mit Band werden ebenfalls dabei sein und das gemeinsame Singen begleiten.
Darüber hinaus ist es ihm wichtig, Multiplikatoren zu fördern, im Blick hat er hat neben Keyboardern auch angehende Organisten. Diese sollten seiner Meinung nach den popularmusikalischen Bereich stärker miteinbeziehen: „Den Horizont aufreißen und ausprobieren – da will ich Mut machen.“

