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18.12.2025 Kategorie: Propstei, Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag, 20.12.2025

Weihnachtsverrückt

Er sagt von sich selbst, er sei „weihnachtsverrückt“. Und so klingt es auch erst einmal, was man über Thomas (nur seinen Vornamen gibt er preis) in der Zeitung lesen kann: Bereits im August beginnt er nämlich, alle seine Weihnachtsbäumchen in der Wohnung aufzustellen. In diesem Jahr sind es 444 an der Zahl. Das ist ein neuer Weltrekord! Nun blinkt, glitzert und schimmert es an allen Ecken und Enden in seiner Vier-Zimmer-Wohnung.

Angefangen habe es mit tatsächlich nur einem Bäumchen, erzählt Thomas. Mittlerweile aber muss er schon im Spätsommer auf den Dachboden und dann in der Wohnung mit dem Schmücken beginnen. Schließlich sollen alle 72.000 Kugeln rechtzeitig aufgehängt und die 47.000 elektrischen Lichter angebracht sein. Es sei nun eng in der Wohnung, gibt Thomas zu, aber es bleibe ja genug Platz zum Fernsehen, Arbeiten und Essen. Es sei einfach alle Jahre wieder wunderbar! Wenn er Gäste hat und die das Leuchten und Glitzern sehen, dann lächeln sie manchmal etwas schräg oder schauen verwirrt. Und manche tippen sich auch heimlich an die Stirn. Er sei halt „weihnachtsverrückt“!

Vielleicht geht es Ihnen jetzt wie mir: Ich muss einfach lächeln beim Gedanken an 444 funkelnde Weihnachtsbäumchen verteilt in vier Zimmern. Aber für verrückt halte ich diesen jungen Mann eher nicht. Vielleicht steckt hinter all dem Funkeln und Glitzern in seiner Wohnung einfach eine große Sehnsucht: nach Geborgenheit und Wärme inmitten dieser oft kalten und dunklen Welt, die auch in diesem Jahr nicht friedlicher geworden ist.

Wie gut ist es dann, einen Ort zu kennen, an dem wir einfach sein dürfen, wie wir manchmal sind: ängstlich und erschrocken oder bedrückt; wo unser Zweifel gehört und unsere Traurigkeit verstanden wird. Unsere Sehnsucht ist an diesem Ort zuhause.

Ich will diesen Gedanken noch etwas weihnachtlicher schreiben: Von der Krippe her scheint ein besonderes Licht in diese Welt, das auch unsere Herzen heller und fester machen will. Wer diesen Schein sieht und in sich spürt, der kann selbst für andere zu leuchten beginnen. Bei Thomas leuchtet es auch in diesem Jahr ein wenig heller an 444 Bäumchen. Und das ist richtig schön „weihnachtsverrückt“!